Was zum Henker ist ein Flutsch-Film und worum geht es hier ĂŒberhaupt?

In diesem Blog werden Filme besprochen, hossa 😛

Wie man schon gemerkt hat, widme ich mich hierbei bevorzugt dem kĂŒnstlerisch-anspruchsvollen Autoren-Kino der 70er Jahre, wobei ich mich dort auf das Genre des sogenannten Flutsch-Films konzentriere, wie es zum Beispiel von Jess Franco unnachahmlich auf die Leinwand gebracht wurde.

Ein Flutsch-Film zeichnet sich unter anderem durch eine ĂŒberproportionale Bandbreite weiblicher Hupen (vulgo: BrĂŒste) aus und beleuchtet auch gerne intimere zwischenmenschliche Kontakte. Das ganze wird natĂŒrlich schön schmierig und sleazig dargereicht 😉 Artverwandte Genres sind die allseits beliebten WIP- und Lager-Filme sowie Sexploitation-Kracher aller Art.

Aber auch meine anderen cineastischen Vorlieben und sonstigen AktivitÀten werden an dieser Stelle nicht zu kurz kommen.

Rock n’ Roll! 😛

ROSSA VENEZIA – AUS DEM TAGEBUCH EINER TRIEBTÄTERIN, Italien/Deutschland 2003

Regie: Andreas Bethmann

Darsteller: Sabine Ironheart, Marianna Bertucci, Romana, Jess Franco, Lina Romay u. v. a.

LĂ€nge: 155 Minuten (Full Uncut Export Version) / 103 Minuten (Directors Cut) / 107 Minuten (German Giallo Version) / 61 Minuten (Hardcore Version)

Venedig.
Nathalie Baldassari ertappt ihren forschen Ehemann beim Fremdgehen mit einer Prostituierten im heimischen Schlafzimmer und verarbeitet das PĂ€rchen an Ort und Stelle auf drastische Weise zu Hackepeter.
Im GefĂ€ngnis hat sie dafĂŒr nichts zu lachen, denn Romana, die dominante Leiterin, fĂŒhrt ein ziemlich strenges Regiment.
Nach 10 harten Jahren wird Nathalie entlassen – wegen guter FĂŒhrung! Mittlerweile hat sich ihr Frauenhass allerdings ins Unermessliche gesteigert.
Sie mietet ihr altes Haus und startet von dort aus eine Reihe blutiger Morde an knackigen, jungen Frauen, an denen sie sich freilich zunÀchst ausgiebigst verlustiert, was wiederum Anlass zu viel nackter Haut gibt.
Lange Zeit tappt die Polizei im Dunkeln, doch dann kommt man ihr endlich auf die Spur….

Baldassari im Knast

Die Inhaltsangabe spricht fĂŒr sich. Wer Andreas Bethmanns Filme nicht mag, kann den Rest des Textes also getrost ĂŒberspringen.

Bethmann, fleißiger Filmer aus deutschen Landen und Betreiber des exzellenten DVD-Labels X-RATED, hat uns schon mit vielem hĂŒbschen Streifen beglĂŒckt: ANGEL OF DEATH – FUCK OR DIE, GEHEIME SPIELE JUNGER MÄDCHEN, DÄMONENBRUT, SCHULMÄDCHEN-REPORT 2000 – FEUCHTE MÖSEN NACH SCHULSCHLUSS und nicht zuletzt dem abgefahrenen VEGETARIERINNEN ZUR FLEISCHESLUST GEZWUNGEN – PART 2.

In ROSSA VENEZIA hat Bethmann seine Lieblings-Themen in einem Film zusammengepackt. So verkĂŒndet der Klappentext dann auch vollmundig: “THE FIRST HORROR SPLATTER HARDCORE WOMEN-IN-PRISON GIALLO EVER MADE”

Klingt nach einer derben Mischung – und kommt auch genauso daher! Kein Wunder also, dass sich Bethmann entschlossen hat, den Film nicht bei seinem eigenen Label zu veröffentlichen, sondern stattdessen bei den Italienern vorstellig geworden ist.

Eine kluge Entscheidung, denn in Deutschland hĂ€tte der Film aufgrund seiner permanenten Verbindung von Hardcore-Sex und brutaler Gewalt zweifellos gehörig eins auf die MĂŒtze bekommen.

ROSSA VENEZIA kommt in einer ĂŒberdimensionierten Edel-Box daher. Darin enthalten sind ein großes Poster mit dem Cover-Motiv, ein leider zu klein ausgefallenes T-Shirt sowie der Hauptfilm in den 3 oben erwĂ€hnten Fassungen inklusive reichlich Bonus-Material und einer Soundtrack-CD.

Aber kommen wir zu der wichtigen Frage: Ist ROSSA VENEZIA ein guter Film?

Das lÀsst sich nicht ohne weiteres beantworten. Die schauspielerischen Leistungen der Darsteller reichen von gut bis grausig, das Gleiche gilt die gezeigten Spezialeffekte. Mit diesen Punkten kann man jedoch durchaus leben. Sehr positiv hervorzuheben sind die poetischen inneren Monologe und Tagebuch-Aufzeichnungen der Killerin sowie der atmosphÀrische Soundtrack.

Man merkt dem Film an, dass Bethmann versucht, hier ambitionierter als frĂŒher zu Werke zu gehen. ROSSA VENEZIA hat deshalb einige starke Bilder zu bieten, so die ein oder andere Hommage an Lucio Fulci, auf dessen Kerbholz so schöne Filme gehen wie “NEW YORK RIPPER” und “EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL”. Die Cameo-Auftritte von Jess Franco, dem spanischen Meister des Flutsch-Films, sowie seiner Muse Lina Romay tragen ihren Teil zum Gelingen des Films bei.

Lina Romay und Jess Franco

Der Schauplatz Venedig ist allerdings leider fast völlig verschenkt worden. Der Film spielt sich – von einigen sehr hĂŒbschen Lagunen-Fahrten abgesehen – zumeist im Haus der Killerin ab.

Dazu kommt, dass die Full Uncut Export-Fassung mit ihren strammen 155 Minuten arg lang geworden ist. So nett der Anblick der leckeren jungen Damen, die alle aus dem bekannten ungarischen Dorf Fötzelek zu stammen scheinen, auch ist, zu einem geregelten Spannungsfluss tragen sie wenig bei. Zu oft verliert sich die Ultra-Lang-Fassung in langgezogenen Neben-Plots.

Straffer kommt da schon die German Giallo Version daher. Diese ist um einen Großteil der Hardcore-Sex-Szenen erleichtert und auch die Gewalt-Exzesse sind abgemildert, was den Film um einiges flĂŒssiger macht. Die sehr hĂŒbsche 16mm-Filmsimulation ist ebenfalls sehr angenehm anzuschauen.

Persönlich bevorzuge ich den im Jahr 2007 erschienenen Directors Cut des Films. In dieser Version hĂ€lt der Streifen durchweg bei Laune, ohne dass sich ErmĂŒdungserscheinungen irgendwelcher Art einstellen.

Die Hardcore-Version des Streifens beschrĂ€nkt sich darauf, die Rahmenhandlung ganz wegfallen zu lassen und stattdessen ausschließlich die saftigen Szenen des Films aneinanderzureihen. Muss man nicht wirklich gesehen haben – es sei denn, man will sich mal wieder gepflegt die Fleischpeitsche polieren.

Lekker Bondage :P

Zum Fazit: Das oben Geschilderte mag negativ klingen, aber ROSSA VENEZIA ist ein durchaus beachtlicher Streifen, dem lediglich ein strafferes Drehbuch und der ein oder andere professionellere Schauspieler gutgetan hÀtten. Der Directors Cut ist auf jeden Fall der Ultra-Lang-Fassung vorzuziehen.
Was Bethmann hier abliefert, hat man – trotz diverser Abstriche, die man nun einmal machen muss – so noch nicht auf der Leinwand gesehen. FĂŒr Freunde von großen Hupen und des roten Saftes ein unbedingtes Muss!

Raki-o-Meter: Diesen Film sollte man mit der besten Freundin im Arm und sehr, sehr vielen bunten GetrĂ€nken genießen. Ist wie “Herr der Ringe”: Ein guter Film, ein sehr langer Film – nur mit mehr Titten. Viel mehr Titten…

JACK THE RIPPER – DER DIRNENMÖRDER VON LONDON

Deutschland/Schweiz 1976

Regie: Jess Franco

Darsteller: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Andreas Mannkopff, Herbert Fux, Lina Romay

LĂ€nge: 92 Minuten

Dr. Orloff (Kinski) ist ein Arzt mit einer kleinen Praxis in London, wo er aufopferungsvoll die Armen der Stadt behandelt. Leider hat der gute Mann aber ordentlich einen an der Waffel, denn nĂ€chtens begibt er sich auf die Jagd nach leichten MĂ€dchen, um diese kunstfertig in ihre Bestandteile zu zerlegen. Wie so oft hat dies seine Ursache in einem Kindheitstrauma. Inspektor Selby ist dem brutalen Prostituierten-Mörder jedoch dicht auf den Fersen. UnterstĂŒtzt wird er dabei von seiner balletttanzenden Freundin, die sich heimlich als Hure verkleidet, um so in einschlĂ€gigen Bars den Ripper anzulocken…

JACK THE RIPPER unterscheidet sich gleich in doppelter Weise von den ĂŒbrigen Jess-Franco-Filmen, die auf diesen Seiten bisher gewĂŒrdigt wurden. Zum einen wird die oben geschilderte Geschichte vergleichsweise konsequent heruntererzĂ€hlt, ohne zwischendurch in ein filmisches Delirium zu verfallen, zum anderen hatte Franco hier etwas mehr Geld zur Verwirklichung seiner filmischen Vision zur VerfĂŒgung.

Hier arbeitete er nĂ€mlich mit dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich zusammen, der uns so nette Filme beschert hat wie: DIE WILDGÄNSE KOMMEN, ROLLS ROYCE BABY oder BLUTJUNGE VERFÜHRERINNEN. JACK THE RIPPER war nicht die einzige Co-Produktion der Beiden und macht fĂŒr die VerhĂ€ltnisse eines Jess Francos einen recht professionellen Eindruck.

Eine ernsthafte Aufarbeitung des Jack-the-Ripper-Themas sollte allerdings niemand erwarten, der halbwegs bei klarem Verstand ist. Franco schert sich nicht groß um die historischen Fakten und liefert stattdessen eine klassische Schauer-MĂ€r, gewĂŒrzt mit Blut und etwas nackter Haut.

Mitfiebern, wer denn nun letztendlich der brutale Mörder ist, kann man nicht, denn schon nach dem Vorspann ist klar, dass es sich bei dem Ripper um den bei Tageslicht so menschenfreundlichen Dr. Orloff handelt. DafĂŒr wird dieser jedoch von unser aller Klaus Kinski bravourös verkörpert. Wenig Schauspieler waren so gut geeignet, den Zwiespalt zwischen Genie und Wahnsinn auf der Leinwand darstellen zu können.

Die sonstigen schauspielerischen Leistungen in JACK THE RIPPER sind freilich nicht ganz so atemberaubend, so zeichnet sich Andreas Mannkoppf als wackerer Inspektor vor allem dadurch aus, dass er den ganzen Film ĂŒber nur einen einzigen Gesichtsausdruck zur Schau trĂ€gt. Josephine Chaplin agiert nicht ganz so fulminant wie ihr berĂŒhmter Vater, dafĂŒr liefert jedoch Herbert Fux als versoffener Fischer Charlie ein kleines KabinettstĂŒckchen ab und sorgt fĂŒr eine Prise Humor in dem dĂŒsteren Grusel-Streifen. Lina Romay, seit den 70ern eine von Francos bevorzugten Darstellerinnen und spĂ€tere Ehefrau, liefert ebenfalls eine solide Leistung und darf ĂŒberdies ein frivoles Liedchen trĂ€llern, bei dem sie ihre nackige Kehrseite herzeigt, bevor sie dann vom Ripper zu Hackepeter verarbeitet wird.

Lina Romay und Klaus Kinski

Drastische Effekte sieht man eher wenige, am ehesten vielleicht bei dem Mord an Lina Romay. DafĂŒr muss man jedoch anerkennen, dass Franco eine klassische Grusel-Film-AtmosphĂ€re auf Zelluloid gebannt hat, die einen in ihren besten Momenten unwillkĂŒrlich an alte Hammerproduktionen denken lĂ€sst. Anzumerken ist, dass der Film komplett in ZĂŒrich gedreht wurde – abgesehen von einer kurzen Aufnahme von Big Ben im Vorspann des Films. In Anbetracht dieser UmstĂ€nde ist es Franco erstaunlich gut gelungen, die typische nebelverhangene Szenerie einzufangen, die fĂŒr einen Film mit solcher Thematik nötig ist. Freilich, das GewĂ€sser, das dem geneigten Zuschauer hier als Themse verkauft wird, sorgt unweigerlich fĂŒr dezentes Kichern. Letzten Endes sieht man jedoch großzĂŒgig darĂŒber hinweg, da ansonsten der positive Gesamteindruck ĂŒberwiegt.

Insgesamt ist JACK THE RIPPER kein wirklich spannender Thriller, dazu ist der Aufbau des Films zu gradlinig und die IdentitĂ€t des Mörders zu schnell klar. Trotzdem ist Franco hier ein sehr schöner, atmosphĂ€rischer Film gelungen, der durch die schönen Aufnahmen des nebelverhangenen London/ZĂŒrich lebt und durch seinen ĂŒber jeden Zweifel erhabenen Hauptdarsteller lebt.

Die DVD: Die JACK THE RIPPER-DVD bildet den Auftakt von Erwin C. Dietrichs höchst empfehlenswerter JESS FRANCO COLLECTION, von der zum Zeitpunkt dieses Reviews schon einige weitere Titel erschienen sind. Das Bild ist fĂŒr einen Nischenfilm dieser Art und diesen Alters von einer Brillanz, die einem glatt den Unterkiefer zu Boden poltern lĂ€sst. Eines der interessantesten Features im Bonus-Bereich der DVD bildet denn auch die Dokumentation ĂŒber die Restaurierung des Films. Daneben gibt es noch einen hörenswerten Audiokommentar von Erwin C. Dietrich, eine geschnittene Szene, Infos ĂŒber den historischen Ripper-Fall und weiteres mehr. Bei der QualitĂ€t der Scheibe insgesamt fragt man sich ernsthaft, warum dies bei ein solchen Special-Interest-Film möglich ist, man im Gegensatz dazu bei bekannteren Film-Klassikern oft genug mit billigen Spar-Versionen abgefertigt wird. Kaufen!

Raki-o-Meter: Unvorbereitete GemĂŒter sollten einen leckeren Raki im GepĂ€ck haben, Cineasten können den Film aber durchaus auch nĂŒchtern ansehen.

LUST FÜR FRANKENSTEIN (OT: LUST FOR FRANKENSTEIN), Spanien/USA 1998

Regie: Jess Franco

Darsteller: Lina Romay, Michelle Bauer, Amber Newman, Carlos Subterfuge, Alex Cox u. a.

LĂ€nge: 85 Minuten

Der legendÀre Dr. Frankenstein hat lÀngst das Zeitliche gesegnet. Das hindert ihn jedoch nicht daran, als Geist seiner Tochter Moira (Lina Romay) zu erscheinen und sie aufzufordern, seine Arbeit fortzusetzen.

Moira sucht schließlich ihr Geburtshaus auf, wo sie zunĂ€chst ihre dekadente Stiefmutter vorfindet. Immer noch wird sie von Botschaften aus dem Jenseits heimgesucht. Es dauert nicht lange, bis Moira auf „Goddess“ (Michelle Bauer) stĂ¶ĂŸt – ein von ihrem Vater geschaffenes, zweigeschlechtliches Geschöpf. Sie verlieben sich ineinander. Die traute Zweisamkeit wird jedoch bald getrĂŒbt und es kommt zu ersten TodesfĂ€llen…

Ahhh, schon wieder der wundervolle Jess Franco… Unter den rund 200 Filmen des spanischen Regisseurs finden sowohl eigenartig atmosphĂ€rische Kult-Streifen wie der allseits bekannte VAMPYROS LESBOS als auch Trash-Granaten allererster GĂŒte. LUST FÜR FRANKENSTEIN zĂ€hlt zu den SpĂ€t-Werken Francos und kann neben ANDY WARHOLS FRANKENSTEIN von Paul Morrisey getrost zu den eigenwilligsten Interpretationen des Themas gezĂ€hlt werden.

LUST FÜR FRANKENSTEIN wurde im Jahr 1998 mit billigsten Mitteln heruntergekurbelt, was man dem Bild des Films auch durchaus ansieht. Den Franco-Fan an sich dĂŒrfte dies freilich weniger stören.

JĂŒnger des Altmeisters sowie auch dessen Kritiker bekommen mit diesem Film wieder einmal all das geliefert, was man von Franco gemeinhin erwarten darf. Auffallend ist besonders der hĂ€ufige Einsatz digitaler Verfremdungseffekte (siehe auch Screenshots), die LUST FÜR FRANKENSTEIN eine ganz eigene Optik geben und es mitunter schwer machen, Traum und RealitĂ€t zu unterscheiden. Der experimentelle Look verleiht dem Streifen einen krĂ€ftigen Schuss Delirium und auch die Darsteller scheinen sich teilweise zeitweise wie Schlafwandler durch die Kulissen zu bewegen.

Das ist in diesem Fall nicht einmal negativ gemeint, passt es doch durchaus zu der abgedrehten Story. Lina Romay liefert eine ansprechende Leistung als Tochter des verblichenen Dr. Frankenstein. Ob es gefĂ€llt, dass sie in ihrem Alter noch hĂŒllenlos auftritt (die knackigen Tage von FEMALE VAMPIRE liegen schon ein ganzes Weilchen zurĂŒck), liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Ein Gegensatz zu den heutigen so gĂ€ngigen Silikon-Nackedeis ist es allemal. Auch die 80er Scream-Queen Michelle Bauer (HOLLYWOOD CHAINSAW HOOKER) – mittlerweile ebenfalls schon in ihren 40ern – gibt als gequĂ€lte Goddess eine solide Performance.

NatĂŒrlich ist fĂŒr den Durchschnitts-Filmkonsumenten LUST FÜR FRANKENSTEIN meilenweit davon entfernt, ein guter Film zu sein. Zu eigenwillig ist die Geschichte in Szene gesetzt, zu deutlich sind die typischen Merkmale eines Franco-Streifens. Auch unter Fans des Meisters wird er jedoch zwangslĂ€ufig auf ein gespaltenes Echo stoßen, da die eigenwillige Optik und der hĂ€ufige Einsatz der Digital-Effekte sehr gewöhnungsbedĂŒrftig sind. Der Soundtrack mit seinen metallastigen KlĂ€ngen der Band The Ubangis, an dem auch Franco selbst mitgestrickt hat, kommt allerdings durchaus passend herĂŒber und trĂ€gt durchaus zur angenehm-eigenartigen AtmosphĂ€re des Films bei.

Striptease

Fazit: Wie schon weiter oben geschrieben – auch fĂŒr Franco-Fans ein zwiespĂ€ltiges Werk. Entweder man mag ihn, oder man hasst ihn. Eine echte Empfehlung kann man von daher nicht wirklich aussprechen, obwohl mir persönlich LUST FÜR FRANKENSTEIN durchaus gefallen hat.

Über jeden Zweifel erhaben ist allerdings die deutsche DVD des Films aus dem Hause X-Rated, die in der auf 1000 StĂŒck limitierten Hartbox mit einer schicken Bonus-DVD aufwartet und insgesamt 145 Minuten (!) Zusatzmaterial bietet, darunter mehrere Interviews mit Franco, Lina Romay und Michelle Bauer, Schnittberichte, Trailer, ein Musik-Video und vieles mehr.

Raki-o-Meter: Wie bei vielen Filmen Jess Francos wĂŒrde ich drei Flaschen Raki empfehlen, um den Film in seiner ganzen Pracht wahrnehmen zu können. Alles darĂŒber hinaus könnte dem Filmgenuss allerdings nur förderlich sein :-))

JASON X (USA, 2001)

Regie: James Isaac

Darsteller: Kane Hodder, Lexa Doig, Chuck Campbell, Lisa Ryder, Peter Mensah, Melyssa Ade u. a.

LĂ€nge: 88 Min.

Das Jahr 2010: Endlich ist es gelungen, den unkaputtbaren Serien-Killer Jason Voorhees (Vorgeschichte: siehe Freitag der 13. 1 – 8 sowie Jason goes to Hell – The Final Friday) dingfest zu machen. Im Crystal Lake Forschungszentrum wartet er darauf, in den Cryo-Schlaf versetzt zu werden. Leider hat man da die Rechnung ohne unsere freundlichen Freunde vom MilitĂ€r gemacht. Dort hat man nĂ€mlich reges Interesse an seinen Regenerations-FĂ€higkeiten. Der Versuch, sich den wohl beliebtesten Masken-TrĂ€ger aller Zeiten (von Alaska Saedelaere mal abgesehen) unter den Nagel zu reißen, geht jedoch – wie zu erwarten – grandios in die Hose…

Das Jahr 2455: Auf einem Trip zur mittlerweile unbewohnbaren Erde entdeckt ein Trupp von ArchĂ€ologie-Studenten den letztlich doch eingefrorenen Körper von Jason und der Frau, der es 2010 mit letzter Kraft gelang, ihn doch noch tiefzukĂŒhlen. Man nimmt die Beiden an Bord und beschließt, sie wieder aufzutauen. Bei beiden Personen hat man Erfolg und schon bald herrscht an Bord ausgelassene Partystimmung….

Die Freitag der 13.-Reihe wird – wie Sam Raimis Evil Dead, Romeros Zombie-Trilogie und Ă€hnliche Streifen – von den Horror-Fans hoch geschĂ€tzt und von sandalenbewehrten Aushilfs-PĂ€dagogen zutiefst verteufelt. Daran hat sich seit dem ersten Film der Serie, der 1980 das Licht der Welt erblickte, kaum etwas geĂ€ndert.

Seit damals ist geraume Zeit ins Land gezogen und auch die Reihe selbst hat sich gehörig gewandelt. Stellten die ersten 4 Filme (von denen 2 dann hierzulande auch umgehend auf dem Index landeten und selbst heutzutage kurioserweise nur als Import-DVD erhĂ€ltlich sind) noch bierernste Backwood-Slasher ohne den heute so ĂŒblichen Schuß Humor dar, wandelte sich das Bild mit Teil 5 langsam aber sicher. Nachdem das Handlungsmuster der ersten Folgen ohne große Variationen immer wieder durchgespielt worden war, fĂŒgte man dem Rezept nun einen ordentlichen Schuß Selbstironie hinzu.

Dennoch war 1989 erst einmal das Ende der Serie gekommen. Paramount brachte die Serie um das ungeliebte Stiefkind Jason (obgleich man bis dato schon Millionen mit der Figur gescheffelt hatte) mit „Freitag der 13. – Teil 8: TODESFALLE MANHATTAN“ zum Abschluss.

Die Rechte an der Serie wanderten zu „New Line Cinema“ ab, die uns schon mit der „Nightmare on Elm Street“-Reihe um Freddy Krueger beglĂŒckt hat und so erblickte 1993 JASON GOES TO HELL – THE FINAL FRIDAY das Licht der Welt (natĂŒrlich nicht, ohne einen Cameo-Auftritt von Freddy einzubauen – dies um das Crossover der beiden Horror-Serien vorzubereiten, das erst gute 10 Jahre spĂ€ter in den US-Kinos anlaufen sollte). Das Ende des vorherigen Films wurde ignoriert und der Hauptfigur aus offensichtlichen GrĂŒnden ein freddy-kompatibler mystischer Background aufgepropft, der sich natĂŒrlich eher störend auswirkte.

Der vorliegende Film lĂ€sst den vorangegangenen Streifen abermals außer Acht. Jason ist gefangengenommen worden und soll nach diversen Hinrichtungsversuchen nun tiefgefroren werden. SerienkontinuitĂ€t? Ach was, aber interessiert auch niemanden mehr wirklich.

Jason Vorhees

JASON X ist auch weit davon entfernt, ein ernstgemeinter Horror-Streifen zu sein. Hier geht es vor allem um eins: Mehr oder weniger spektakulĂ€r in Szene gesetzte Meuchelmorde. Grusel-Spannung kommt eher selten auf – nachdem man mit der Jason-Figur nahezu alle möglichen Szenarios (außer vielleicht Jason vs. Godzilla) durchgespielt hat, ist das allerdings auch schlecht möglich.

Stattdessen kommt der Streifen mit seinen durchaus selbstironischen Momenten richtig spaßig daher, wozu auch die gut aufgelegten Darsteller (die natĂŒrlich getreu der Serie allesamt Charaktere verkörpern, die – freundlich gesagt – dumm wie Brot sind) ihren Teil beitragen.

Meine Empfehlung: Kumpels einladen, fĂŒr ausreichend geistige GetrĂ€nke sorgen und Spaß haben. Ein Party-Film erster KajĂŒte, oder, wie Onkel Hondo sagen wĂŒrde: ein echter Klopper! 🙂

Die DVD: Der deutsche Silberling von WARNER ist – bezogen auf den Film selbst – ungekĂŒrzt und kann bedenkenlos empfohlen werden. Im Gegensatz zu den bei Paramount erschienenen DVDS der Teile 1 – 8 ist sogar Bonus-Material enthalten – man kann es kaum glauben. Zwei Dokus befinden sich auf der Scheibe. Zum einen THE MANY LIVES OF JASON VORHEES und zum anderen BY ANY MEANS NECESSARY: THE MAKING OF JASON X. Das ulkige „Jump-to-a-Death-Feature“, mit dem man per Fernbedienung direkt zu den saftigen Stellen des Films skippen konnte, hat man dem deutschen Zuschauer erspart. Bedauerlich, aber zu verschmerzen. Immerhin muss man ja schon froh sein, wenn derlei Streifen ĂŒberhaupt hierzulande erscheinen. Auf jeden Fall empfehlenswert.

Raki-o-Meter: Handwerklich gutgemacht, von daher ist harter Alkohol nicht unbedingt vonnöten, um das Gesehene zu ĂŒberstehen. Der Party-Stimmung ist das ein oder andere SchlĂŒckchen in Ehren aber auf jeden Fall zutrĂ€glich.

Wer ist dieser Kommissar Lehmann ĂŒberhaupt?

Der schwer gebeutelte Kriminalhauptkommissar Lehmann ist – gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Reporter-Ass Martin Faust – eine der Hauptfiguren einer Serie vornehmlich in KĂČln angesiedelter Grusel-Romane aus meiner bescheidenen Feder. Arbeitstitel dieser kleinen Reihe ist “DER PARA-BULLE”. Der erste Band der aufregenden Abenteuer erschien im Februar 2008 im Romantruhe-Verlag als Geister-Schocker Band 61 unter dem Titel DÄMONEN IN KÖLN.

Geister-Schocker 61

Teil 2 und 3 mit den Arbeitstiteln “SCHREIE AUS DEM HEXENTURM” und “DIE LEICHEN-KLINIK” wurden soeben abgeschlossen. Weiteres hierzu demnĂ€chst… 😛

Eine genaue Aufstellung meines bescheidenen literarischen Schaffens und sonstiger absurder AktivitÀten findet sich unter www.elefantenmike.de.

DORIANA GREY / DAS BILDNIS DER DORIANA GRAY / DIE MARQUISE VON SADE (Weitere Titel: DIRTY DRACULA, EJACULATIONS), Deutschland/Schweiz, 1976

Regie: Jess Franco

Darsteller: Lina Romay, Monica Swinn, Martine Stedil u. a.

LĂ€nge: 76 Minuten (Directors Cut)


Die reiche und einsame Doriana Grey lebt allein mit ihrem Diener Ziros auf einem Schloß und wird von einer Reporterin aufgesucht, die Licht in Dorianas mysteriöse Vergangenheit bringen möchte. In einer psychiatrischen Anstalt – geleitet von dem seltsamen Dr. Orloff – wird nĂ€mlich eine junge Frau behandelt, die Doriana aufs Haar gleicht. Wie sich herausstellt, handelt es sich um Dorianas siamesische Zwillingsschwester, von der sie kurz nach der Geburt getrennt wurde.
Das ist jedoch nicht die einzige Überraschung. Bei der frigiden Doriana handelt es sich um eine Art Sex-Vampir (die ĂŒberdies mit ihrer Zwillingsschwester telepathisch verbunden ist) und die ihren Opfern ĂŒber die primĂ€ren Geschlechtsorgane die Lebensenergie aussaugt…

Doriana

Wie auch JACK THE RIPPER wurde dieser Jess-Franco-Streifen von dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich produziert, der selbst auch bei z. B. ROLLS ROYCE BABY (ebenfalls mit Lina Romay) Regie gefĂŒhrt hat.

Man sieht sofort, dass der spanische Meister des Flutsch-Films hier etwas mehr Geld zur VerfĂŒgung hatte und der Film macht dementsprechend einen etwas professionelleren Eindruck als manche seiner anderen Streifen.

Wie der Titel des Films schon erahnen lĂ€sst, handelt es sich um eine – freilich mehr als freie – Variation der Geschichte von Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Gray“, was sich allerdings im groben auf das Motiv der DualitĂ€t der Zwillingsschwestern und den Wunsch nach ewiger Jugend beschrĂ€nkt.

Viel eher handelt es sich bei DORIANA GREY um eine logische FortfĂŒhrung der Thematik, die Jess Franco 1970 mit VAMPYROS LESBOS begonnen hat und 1973 mit FEMALE VAMPIRE / EROTIKILL fortgefĂŒhrt hat. Auch hier geht es um eine dem Meer verhaftete melancholische Sex-Vampirin mit gleichgeschlechtlichen Neigungen.

FĂŒr zarte GemĂŒter ist dieser Film – zumindest im Directors Cut – freilich von den drei Genannten am wenigsten geeignet, bietet Franco hier doch Aufnahmen, an denen ein Hobby-GynĂ€kologe seine reinste Freude hĂ€tte. Immer wieder zoomt die schier wildgewordene Kamera zwischen die weit gespreizten Beine der masturbierenden Lina Romay und hĂ€lt auch alle sonstigen sexuellen AktivitĂ€ten detailgenau fest.

Die eigentliche Geschichte ist Nebensache und die Dialoge spĂ€rlich. Wie auch in einigen anderen seiner Filme zieht Franco es vor, die Bilder fĂŒr sich sprechen zu lassen.

Nichtsdestotrotz kann man sich dem melancholischen Charme des Films schwer entziehen. Der Soundtrack von Walter Baumgartner, die atmosphĂ€rischen Bilder und die sinnliche und gleichzeitig todtraurige Ausstrahlung Romays verbinden sich zu einem Ă€ußerst merkwĂŒrdigen Film, der in seiner Gesamtheit schwer zu beschreiben ist, aber fĂŒr Franco-Fans unbedingt sehenswert ist.

Die DVD: Dieser Film ist in der Directors-Cut-Version im Rahmen von Erwin C. Dietrichs empfehlenswerter JESS FRANCO COLLECTION erschienen. Unter dem Titel DAS BILDNIS DER DORIANA GRAY ist jedoch auch die 69 Minuten lange Softcore-Version erhÀltlich. Diese ist beim Label ABCDVD erschienen.

Das Bild des Directors Cut macht einen hervorragenden Eindruck. Die QualitĂ€t der wieder eingefĂŒgten Hardcore-Szenen fĂ€llt qualitativ leider ein wenig ab, da hier offenbar anderes Ausgangsmaterial zur VerfĂŒgung stand.

Die Dokumentationen auf der DVD sind schon von der JACK THE RIPPER-DVD bekannt, darĂŒber hinaus gibt es jedoch noch ein zusammengeschnittenes Interview mit Dietrich, Franco und Romay sowie ca. 15 Trailer zu weiteren Veröffentlichungen.

Die Softcore-Version des Films kenne ich nicht – die Collection-DVD ist jedoch unbedingt empfehlenswert.

Raki-o-Meter: Zarte GemĂŒter sollten zur Bewusstseinserweiterung diverse Rakis im HandgepĂ€ck haben, bevor sie sich dem Genuss des Films hingeben!

SIE TÖTETE IN EKSTASE (OT: SHE KILLED IN ECSTASY / MRS. HYDE), BRD/Spanien, 1970

Regie: Jess Franco

Darsteller: Soledad Miranda, Fred Williams, Howard Vernon, Ewa Stroemberg, Dennis Price, Jess Franco u. a.

LĂ€nge: 86 Minuten

Dr. Johnson fĂŒhrt – natĂŒrlich zum Wohle der Menschheit – abartige Gen-Experimente an menschlichen Embryonen durch. Unnötig zu sagen, das die Ärztekammer ihn zunĂ€chst in hohem Bogen hinauswirft, um ihn letztendlich in den Selbstmord zu treiben. Seine hĂŒbsche junge Witwe begibt sich daraufhin auf einen blutigen Rachefeldzug. Sie lockt die fĂŒr den Tod ihres Mannes verantwortlichen Mediziner einen nach dem anderen in ihr Bett, um sie dann grausam zu töten…

SIE TÖTETE IN EKSTASE wurde zeitnah zu VAMPYROS LESBOS gedreht, was man auch daran merkt, dass Franco hier fast dieselbe Crew einsetzt. Selbst die Helden der Hammond-Orgel – Manfred HĂŒbler und Siegfried Schwab – sind wieder dabei und unterlegen die Bilder des Films abermals mit aberwitziger Musik. UnterstĂŒtzt werden sie diesmal jedoch von Bruno Nicolai.

Trotz der zeitlichen NĂ€he zu VAMPYROS LESBOS haben wir hier doch einen völlig anders gearteten Film vor uns. War VAMPYROS LESBOS ein psychedelisches GruselmĂ€rchen mit einem sehr ruhigen ErzĂ€hlfluss, geht SIE TÖTETE IN EKSTASE gleich in die Vollen.

Die gradlinige und eher dem Realismus verhaftete Sex & Crime-Story wird dem Zuschauer relativ schnörkellos erzĂ€hlt und lĂ€sst keine Fragen offen. Von den auf diesen Seiten vorgestellten Filmen Francos ist SIE TÖTETE IN EKSTASE sicher der am leichtesten zu konsumierende Streifen.

Interessant anzusehen ist dabei, dass Johnson mit seinen obskuren Experimenten als tragische Figur gezeichnet wird, wĂ€hrend seine Kollegen, die zu Recht seinen Rauswurf aus der Ärztekammer betreiben, allesamt als abstoßende Gestalten dargestellt werden, die nicht besser verdienen, was ihnen im Laufe des Films widerfĂ€hrt.

Unbestrittenes Highlight ist hier der Mord an Dr. Crawford (Ewa Stroemberg), die nach einem kleinen lesbischen Intermezzo von Johnsons Witwe mit einem halbdurchsichtigen Plastikkissen erstickt wird, durch das wir ihr panikverzerrtes Gesicht sehen.

Die schauspielerischen Leistungen sind so solide, wie man sie in einem Franco-Film erwarten kann, haben sich also seit VAMPYROS LESBOS nicht wesentlich verbessert. Herausstechend ist auch hier allerdings Soledad Miranda, deren Darstellung vor allem in jener Szene unter die Haut geht, als sie gegen Ende des Films – begleitet zu klassischer Musik von Bruno Nicolai – endgĂŒltig in den Wahnsinn abdriftet.

Soledad

In einer kleinen Nebenrolle tritt ĂŒbrigens Horst „Derrick“ Tappert als wackerer Inspektor auf, der allerdings nichts besonders zu tun hat und sich bei seinen Ermittlungen reichlich dĂ€mlich anstellt.

Insgesamt handelt es sich um einen konventionellen Kriminalfilm mit leichten Soft-Sex-Einlagen, der auch fĂŒr Genre-Fremde gut zu konsumieren ist, aber immer noch alle Elemente bietet, die man an Jess-Franco-Filmen liebt oder hasst – je nach Standpunkt.

Fazit: Besonders fĂŒr Franco-Einsteiger empfehlenswert. FĂŒr Soledad-Miranda-Fans sowieso…

Die deutsche DVD des Films stammt von CMV und weist leider keinen O-Ton auf. Als Bonus gibt es den Original-Trailer, eine Biografie Soledad Mirandas in Texttafeln und Alternativ-Szenen aus der amerikanischen Fassung des Films. Im deutschsprachigen Raum durchaus eine Kaufempfehlung wert.

Raki-o-Meter: Mit einer Buddel Raki sieht die Welt gleich bunter aus. Der Rest kommt von alleine…

Aus aktuellem Anlass: Horst Tappert ist, wie man heute erfahren durfte, unlĂ€ngst verstorben. Das ist doch ein Grund, noch mal einen auf das Wohl des ewigen Kommissars zu zuppeln. NatĂŒrlich Rotwein. Ganz stilecht aus dem Tetrapack direkt in den Hals. Prost 😛

ENTFESSELTE BEGIERDE (AT: FEMALE VAMPIRE / EROTIKILL u. v. a.), Belgien/Frankreich, 1973

Regie: Jess Franco

Darsteller: Lina Romay, Jack Taylor, Jess Franco, Monica Swinn, Alice Arno

LĂ€nge: zwischen 90 und 105 Minuten, je nach Fassung

Eine melancholisch dreinschauende Frau (Lina Romay) wandert zu den sĂŒĂŸlichen KlĂ€ngen der Titelmusik durch einen nebelverhangenen Wald. Bekleidet ist sie mit einem schwarzen Cape, schwarzen Stiefeln und einem nicht allzu breiten GĂŒrtel. Als sie kurz stehen bleibt, zoomt die Kamera auf ihre dunklen Augen, fĂ€hrt herunter zu den BrĂŒsten und gönnt sich einen neugierigen Blick auf ihr Schamhaar. Schließlich geht die Frau weiter. Immer nĂ€her kommt sie der Kamera ‑ um letzten Endes unĂŒbersehbar dagegen zu rumpeln.

FĂŒr das unbedarfte Auge des gewöhnlichen Mainstream‑Konsumenten muss die oben geschilderte Einleitung von FEMALE VAMPIRE sicher ein wenig grotesk wirken. Freunde des spanischen Viel‑Filmers Jess Franco hingegen dĂŒrften lĂ€ngst gelernt haben, solch offensichtliche Pannen zu ĂŒbersehen ‑ genauso wie verwackelte, unscharfe Aufnahmen und völlig unmotivierte Zooms, von denen es auch in diesem Werk wieder reichlich zu bewundern gibt.

FEMALE VAMPIRE erzĂ€hlt die Geschichte der auf Madeira lebenden Irina von Karlstein (Lina Romay), welche zum einen unter dem Fluch des Vampirismus leidet und ĂŒberdies stumm ist. Irina pflegt jedoch nicht, wie gemeinhin ĂŒblich, in den Hals zu beißen, sondern widmet ihre Aufmerksamkeit den primĂ€ren Geschlechtsorganen ihrer zahlreichen, mĂ€nnlichen wie weiblichen Opfer. Sie hadert jedoch mit ihrem Schicksal. Erst als Irina einen scheuen Poeten kennen lernt, scheint sie Hoffnung zu schöpfen. Letztendlich erweist sich ihr Trieb jedoch als stĂ€rker und es kommt, wie es kommen muss…

Wie der geneigte Leser an den Beiß‑Vorlieben Irinas erkannt haben wird, handelt es sich nicht um einen herkömmlichen Vampir‑Film von der Stange. TatsĂ€chlich existieren von FEMALE VAMPIRE eine Unzahl verschiedener Schnittfassungen (unter ebenso vielen verschiedenen Titeln), die fĂŒr unterschiedliche MĂ€rkte und LĂ€nder produziert wurden. Im groben lĂ€sst sich zwischen einer horror-lastigen Fassung (in der Irina auch tatsĂ€chlich wie gewohnt in den Hals beißt), einer mit massiven Soft‑Sex‑Elementen angereicherten Fassung und einer dritten Version unterscheiden, weiche explizite Hardcore‑Elemente enthĂ€lt.

Man sieht: FEMALE VAMPIRE ist ein eigenartiges Hybrid zwischen Horror‑ und Sexfilm. Je nachdem, welche Fassung des Streifens man in den HĂ€nden hat, dĂŒrfte dem Horror‑Fan zuviel Sex und dem geneigten AnhĂ€nger visuell unterstĂŒtzter Masturbation wiederum zuviel Blut enthalten sein.

Erotikill

Die junge Lina Romay ist hier in ihrer ersten großen Hauptrolle zu sehen und quasi mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, bietet dabei allerdings noch eine schwankende Leistung. So ist sie in manchen Szenen wirklich sexy und natĂŒrlich, um dann wieder hart am absoluten Unvermögen vorbeizuschrammen. Das sie in ihrer Rolle keinen Dialog hat, erleichtert ihre Arbeit ein wenig und trĂ€gt durchaus zur eigenartigen AtmosphĂ€re dieses sehr ruhigen Films bei.

So liegt bei allem Matratzengerangel eine bestĂ€ndige Traurigkeit ĂŒber FEMALE VAMPIRE, die sich vielleicht mit dem damals noch nicht lange zurĂŒckliegenden tragischen Unfalltod Soledad Mirandas erklĂ€ren lĂ€sst ‑ Star des thematisch artverwandten VAMPYROS LESBOS und Jess Francos damalige Muse.

Obwohl es sich zweifellos um ein schnell heruntergekurbeltes, teils absurd unzusammenhĂ€ngendes Machwerk handelt, besitzt der Film in seinen besten Momenten neben seinen hĂŒbschen „Schauwerten“ doch atmosphĂ€rische Bilder und es gelingt Franco seine Geschichte einer Vampiren, die nach ErfĂŒllung sucht und in einem Netz aus Liebe und Tod gefangen ist, trotz aller handwerklichen MĂ€ngel stimmungsvoll herĂŒberzubringen.

Fazit: Wem Jess Francos kultiger VAMPYROS LESBOS zu harmlos war, dĂŒrfte hier etwas fĂŒr seinen Geschmack finden. FĂŒr den Durchschnitts-Horror-Konsumenten ist das freilich nichts. Insgesamt bietet FEMALE VAMPIRE (je nach Fassung) wenig Blut, viel nackte Haut und jene wunderbar traurige AtmosphĂ€re, die dem Thema angemessen ist.

Zu den DVDS: Zur Zeit sind auf dem deutschen Markt mehrere Fassungen des Films erhĂ€ltlich. Zum einen die FEMALE VAMPIRE aus dem Hause Laser Paradise. Diese Scheibe bietet die Softcore-Fassung des Films an, die auch Grundlage dieses Reviews war. Dann kommt eine weitere Fassung aus dem Hause X-Rated und ist unter dem Titel EROTIKILL – LÜSTERNDE VAMPIRE IM SPERMARAUSCH erschienen. Die Fassung enthĂ€lt Hardcore-Inserts, die offenbar teils Jahre spĂ€ter gedreht wurden. Diese Inserts integrieren sich in keiner Weise in den ursprĂŒnglichen Film und zerstören seine eigentliche AtmosphĂ€re. Von daher kann diese Version des Films nur hartnĂ€ckigen Franco-Komplettisten empfohlen werden.

Raki-o-Meter: FĂŒr die FEMALE VAMPIRE-Fassung sind 2 Buddeln Raki durchaus angemessen – die EROTIKILL-Version wĂŒrde ich dagegen nicht unter vier Buddeln in den Player legen…

VAMPYROS LESBOS – ERBIN DES DRACULA (OT: LAS VAMPIRAS), BRD/Spanien, 1970

Regie: Jess Franco

Darsteller: Soledad Miranda, Ewa Stroemberg, Dennis Price, Heidrun Kussin, Jess Franco u. a.

LĂ€nge: 86 Minuten

GrĂ€fin Nadine von Carody (Soledad Miranda) ist dem weiblichen Geschlecht zugeneigt – und so ganz nebenbei die Witwe des verblichenen Grafen Dracula. Linda Westinghouse (bei deren Namen man nicht von ungefĂ€hr an Lucy Westenra denken muss – ein Dr. Seward taucht ĂŒbrigens auch auf) arbeitet in einer Anwaltskanzlei und ist mit der Vollstreckung des Testaments beauftragt. Sie reist nach Istanbul, wo sie schon bald in den erotischen Bann der GrĂ€fin gerĂ€t. Es dauert nicht lange, bis erstes Blut fließt…

VAMPYROS LESBOS gehört sicherlich zu jenen Filmen, die auch dem Nicht-Franco-Fan vom Titel her gelĂ€ufig sind – zumindest jedenfalls seit sich im Zug der Easy-Listening-Welle der neu aufgelegte Soundtrack in den einschlĂ€gigen Charts platzieren konnte.

„Eine gewagte und harte Verfilmung des alten Dracula-Themas“ trompetet der alte deutsche Werbe-Trailer vollmundig. So hart ist der Film indessen nicht. Vielleicht mag VAMPYROS LESBOS im Jahr 1970 schockierend gewesen sein. Heute stellt sich der Film als surreal inszeniertes, eher zahmes GruselmĂ€rchen dar. Die Reize von VAMPYROS LESBOS liegen woanders – nĂ€mlich in seiner AtmosphĂ€re.

Schon die einleitende Nachtclub-Sequenz, in welcher der geneigte Zuschauer eine schwĂŒl-erotische Darbietung der umwerfenden Soledad Miranda verfolgen darf, macht unmissverstĂ€ndlich klar, dass man sich nicht in einem traditionellen Vampirfilm, sondern in einem Werk aus der Jess-Franco-Werkstatt befindet.

Nachtclub

Im weiteren Verlauf des Streifens schaut man fasziniert auf ein buntes Kaleidoskop aus obskurem 70er-Jahre-Look, symboltriefenden Bildern vor der Kulisse Istanbuls und der franco-typischen Dosis nackter Haut – stets untermalt von dem zutiefst eigenwilligen Soundtrack aus der Feder von Manfred HĂŒbler und Siegfried Schwab (hinter denen Roland M. Hahn und Volker Jansen in ihrem peinlich schlechten LEXIKON DES HORROR-FILMS gar einen „orgelspielenden Tonband-Amateur“ vermuteten), die Francos Vampirdrama mit psychedelischem Jazz-Geschwurmel untermalen, was einerseits fĂŒr einen Grusel-Film geradezu grotesk unpassend ist, andererseits aber absolut funky daherkommt und klar zum Kultstatus des Films beigetragen hat. Die Story ist dabei, wie in so manchem Franco-Film absolute Nebensache und quasi nicht vorhanden. Aber, ehrlich gesagt, interessiert das jemand bei einem solchen Meisterwerk?

Soledad

Fazit: „Sehen ist Glauben“ heißt das Motto bei VAMPYROS LESBOS. Wer einen knalligen Horror-Film sehen will, ist hier fehl am Platz. Stattdessen gibt es einen durch eine eher nebensĂ€chliche Hintergrundgeschichte verbundenen Bilderrausch, der sich weniger durch Logik als durch seine abgefahrene AtmosphĂ€re auszeichnet.

VAMPYROS LESBOS ist fĂŒr mich einer der stimmungsvollsten Franco-Filme meiner Sammlung und bietet einige wunderschön atmosphĂ€rische Momente. FĂŒr den aufgeschlossenen Zuschauer ist Anschauen Pflicht!

Die deutsche DVD des Films stammt aus dem bewĂ€hrten Hause CMV und bietet ein ordentliches Bild – dafĂŒr allerdings keinen O-Ton und bis auf den Trailer und eine Filmografie der unsterblichen Soledad Miranda in Texttafeln keine Extras. Dennoch im deutschsprachigen Raum die Kaufempfehlung schlechthin.

Raki-o-Meter: Ab einer Buddel Raki aufwĂ€rts
. Der psychedelische Effekt stellt sich hier von ganz alleine ein… Einfach schön!