DORIANA GREY / DAS BILDNIS DER DORIANA GRAY / DIE MARQUISE VON SADE (Weitere Titel: DIRTY DRACULA, EJACULATIONS), Deutschland/Schweiz, 1976

Regie: Jess Franco

Darsteller: Lina Romay, Monica Swinn, Martine Stedil u. a.

Länge: 76 Minuten (Directors Cut)


Die reiche und einsame Doriana Grey lebt allein mit ihrem Diener Ziros auf einem Schloß und wird von einer Reporterin aufgesucht, die Licht in Dorianas mysteriöse Vergangenheit bringen möchte. In einer psychiatrischen Anstalt – geleitet von dem seltsamen Dr. Orloff – wird nämlich eine junge Frau behandelt, die Doriana aufs Haar gleicht. Wie sich herausstellt, handelt es sich um Dorianas siamesische Zwillingsschwester, von der sie kurz nach der Geburt getrennt wurde.
Das ist jedoch nicht die einzige Überraschung. Bei der frigiden Doriana handelt es sich um eine Art Sex-Vampir (die überdies mit ihrer Zwillingsschwester telepathisch verbunden ist) und die ihren Opfern über die primären Geschlechtsorgane die Lebensenergie aussaugt…

Doriana

Wie auch JACK THE RIPPER wurde dieser Jess-Franco-Streifen von dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich produziert, der selbst auch bei z. B. ROLLS ROYCE BABY (ebenfalls mit Lina Romay) Regie geführt hat.

Man sieht sofort, dass der spanische Meister des Flutsch-Films hier etwas mehr Geld zur Verfügung hatte und der Film macht dementsprechend einen etwas professionelleren Eindruck als manche seiner anderen Streifen.

Wie der Titel des Films schon erahnen lässt, handelt es sich um eine – freilich mehr als freie – Variation der Geschichte von Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Gray“, was sich allerdings im groben auf das Motiv der Dualität der Zwillingsschwestern und den Wunsch nach ewiger Jugend beschränkt.

Viel eher handelt es sich bei DORIANA GREY um eine logische Fortführung der Thematik, die Jess Franco 1970 mit VAMPYROS LESBOS begonnen hat und 1973 mit FEMALE VAMPIRE / EROTIKILL fortgeführt hat. Auch hier geht es um eine dem Meer verhaftete melancholische Sex-Vampirin mit gleichgeschlechtlichen Neigungen.

Für zarte Gemüter ist dieser Film – zumindest im Directors Cut – freilich von den drei Genannten am wenigsten geeignet, bietet Franco hier doch Aufnahmen, an denen ein Hobby-Gynäkologe seine reinste Freude hätte. Immer wieder zoomt die schier wildgewordene Kamera zwischen die weit gespreizten Beine der masturbierenden Lina Romay und hält auch alle sonstigen sexuellen Aktivitäten detailgenau fest.

Die eigentliche Geschichte ist Nebensache und die Dialoge spärlich. Wie auch in einigen anderen seiner Filme zieht Franco es vor, die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Nichtsdestotrotz kann man sich dem melancholischen Charme des Films schwer entziehen. Der Soundtrack von Walter Baumgartner, die atmosphärischen Bilder und die sinnliche und gleichzeitig todtraurige Ausstrahlung Romays verbinden sich zu einem äußerst merkwürdigen Film, der in seiner Gesamtheit schwer zu beschreiben ist, aber für Franco-Fans unbedingt sehenswert ist.

Die DVD: Dieser Film ist in der Directors-Cut-Version im Rahmen von Erwin C. Dietrichs empfehlenswerter JESS FRANCO COLLECTION erschienen. Unter dem Titel DAS BILDNIS DER DORIANA GRAY ist jedoch auch die 69 Minuten lange Softcore-Version erhältlich. Diese ist beim Label ABCDVD erschienen.

Das Bild des Directors Cut macht einen hervorragenden Eindruck. Die Qualität der wieder eingefügten Hardcore-Szenen fällt qualitativ leider ein wenig ab, da hier offenbar anderes Ausgangsmaterial zur Verfügung stand.

Die Dokumentationen auf der DVD sind schon von der JACK THE RIPPER-DVD bekannt, darüber hinaus gibt es jedoch noch ein zusammengeschnittenes Interview mit Dietrich, Franco und Romay sowie ca. 15 Trailer zu weiteren Veröffentlichungen.

Die Softcore-Version des Films kenne ich nicht – die Collection-DVD ist jedoch unbedingt empfehlenswert.

Raki-o-Meter: Zarte Gemüter sollten zur Bewusstseinserweiterung diverse Rakis im Handgepäck haben, bevor sie sich dem Genuss des Films hingeben!

Kommissar Lehmann

Autor: Kommissar Lehmann

Wenn ihr euch bewegt, sehe ich das!

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