ENTFESSELTE BEGIERDE (AT: FEMALE VAMPIRE / EROTIKILL u. v. a.), Belgien/Frankreich, 1973

Regie: Jess Franco

Darsteller: Lina Romay, Jack Taylor, Jess Franco, Monica Swinn, Alice Arno

Länge: zwischen 90 und 105 Minuten, je nach Fassung

Eine melancholisch dreinschauende Frau (Lina Romay) wandert zu den süßlichen Klängen der Titelmusik durch einen nebelverhangenen Wald. Bekleidet ist sie mit einem schwarzen Cape, schwarzen Stiefeln und einem nicht allzu breiten Gürtel. Als sie kurz stehen bleibt, zoomt die Kamera auf ihre dunklen Augen, fährt herunter zu den Brüsten und gönnt sich einen neugierigen Blick auf ihr Schamhaar. Schließlich geht die Frau weiter. Immer näher kommt sie der Kamera ‑ um letzten Endes unübersehbar dagegen zu rumpeln.

Für das unbedarfte Auge des gewöhnlichen Mainstream‑Konsumenten muss die oben geschilderte Einleitung von FEMALE VAMPIRE sicher ein wenig grotesk wirken. Freunde des spanischen Viel‑Filmers Jess Franco hingegen dürften längst gelernt haben, solch offensichtliche Pannen zu übersehen ‑ genauso wie verwackelte, unscharfe Aufnahmen und völlig unmotivierte Zooms, von denen es auch in diesem Werk wieder reichlich zu bewundern gibt.

FEMALE VAMPIRE erzählt die Geschichte der auf Madeira lebenden Irina von Karlstein (Lina Romay), welche zum einen unter dem Fluch des Vampirismus leidet und überdies stumm ist. Irina pflegt jedoch nicht, wie gemeinhin üblich, in den Hals zu beißen, sondern widmet ihre Aufmerksamkeit den primären Geschlechtsorganen ihrer zahlreichen, männlichen wie weiblichen Opfer. Sie hadert jedoch mit ihrem Schicksal. Erst als Irina einen scheuen Poeten kennen lernt, scheint sie Hoffnung zu schöpfen. Letztendlich erweist sich ihr Trieb jedoch als stärker und es kommt, wie es kommen muss…

Wie der geneigte Leser an den Beiß‑Vorlieben Irinas erkannt haben wird, handelt es sich nicht um einen herkömmlichen Vampir‑Film von der Stange. Tatsächlich existieren von FEMALE VAMPIRE eine Unzahl verschiedener Schnittfassungen (unter ebenso vielen verschiedenen Titeln), die für unterschiedliche Märkte und Länder produziert wurden. Im groben lässt sich zwischen einer horror-lastigen Fassung (in der Irina auch tatsächlich wie gewohnt in den Hals beißt), einer mit massiven Soft‑Sex‑Elementen angereicherten Fassung und einer dritten Version unterscheiden, weiche explizite Hardcore‑Elemente enthält.

Man sieht: FEMALE VAMPIRE ist ein eigenartiges Hybrid zwischen Horror‑ und Sexfilm. Je nachdem, welche Fassung des Streifens man in den Händen hat, dürfte dem Horror‑Fan zuviel Sex und dem geneigten Anhänger visuell unterstützter Masturbation wiederum zuviel Blut enthalten sein.

Erotikill

Die junge Lina Romay ist hier in ihrer ersten großen Hauptrolle zu sehen und quasi mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, bietet dabei allerdings noch eine schwankende Leistung. So ist sie in manchen Szenen wirklich sexy und natürlich, um dann wieder hart am absoluten Unvermögen vorbeizuschrammen. Das sie in ihrer Rolle keinen Dialog hat, erleichtert ihre Arbeit ein wenig und trägt durchaus zur eigenartigen Atmosphäre dieses sehr ruhigen Films bei.

So liegt bei allem Matratzengerangel eine beständige Traurigkeit über FEMALE VAMPIRE, die sich vielleicht mit dem damals noch nicht lange zurückliegenden tragischen Unfalltod Soledad Mirandas erklären lässt ‑ Star des thematisch artverwandten VAMPYROS LESBOS und Jess Francos damalige Muse.

Obwohl es sich zweifellos um ein schnell heruntergekurbeltes, teils absurd unzusammenhängendes Machwerk handelt, besitzt der Film in seinen besten Momenten neben seinen hübschen „Schauwerten“ doch atmosphärische Bilder und es gelingt Franco seine Geschichte einer Vampiren, die nach Erfüllung sucht und in einem Netz aus Liebe und Tod gefangen ist, trotz aller handwerklichen Mängel stimmungsvoll herüberzubringen.

Fazit: Wem Jess Francos kultiger VAMPYROS LESBOS zu harmlos war, dürfte hier etwas für seinen Geschmack finden. Für den Durchschnitts-Horror-Konsumenten ist das freilich nichts. Insgesamt bietet FEMALE VAMPIRE (je nach Fassung) wenig Blut, viel nackte Haut und jene wunderbar traurige Atmosphäre, die dem Thema angemessen ist.

Zu den DVDS: Zur Zeit sind auf dem deutschen Markt mehrere Fassungen des Films erhältlich. Zum einen die FEMALE VAMPIRE aus dem Hause Laser Paradise. Diese Scheibe bietet die Softcore-Fassung des Films an, die auch Grundlage dieses Reviews war. Dann kommt eine weitere Fassung aus dem Hause X-Rated und ist unter dem Titel EROTIKILL – LÜSTERNDE VAMPIRE IM SPERMARAUSCH erschienen. Die Fassung enthält Hardcore-Inserts, die offenbar teils Jahre später gedreht wurden. Diese Inserts integrieren sich in keiner Weise in den ursprünglichen Film und zerstören seine eigentliche Atmosphäre. Von daher kann diese Version des Films nur hartnäckigen Franco-Komplettisten empfohlen werden.

Raki-o-Meter: Für die FEMALE VAMPIRE-Fassung sind 2 Buddeln Raki durchaus angemessen – die EROTIKILL-Version würde ich dagegen nicht unter vier Buddeln in den Player legen…

VAMPYROS LESBOS – ERBIN DES DRACULA (OT: LAS VAMPIRAS), BRD/Spanien, 1970

Regie: Jess Franco

Darsteller: Soledad Miranda, Ewa Stroemberg, Dennis Price, Heidrun Kussin, Jess Franco u. a.

Länge: 86 Minuten

Gräfin Nadine von Carody (Soledad Miranda) ist dem weiblichen Geschlecht zugeneigt – und so ganz nebenbei die Witwe des verblichenen Grafen Dracula. Linda Westinghouse (bei deren Namen man nicht von ungefähr an Lucy Westenra denken muss – ein Dr. Seward taucht übrigens auch auf) arbeitet in einer Anwaltskanzlei und ist mit der Vollstreckung des Testaments beauftragt. Sie reist nach Istanbul, wo sie schon bald in den erotischen Bann der Gräfin gerät. Es dauert nicht lange, bis erstes Blut fließt…

VAMPYROS LESBOS gehört sicherlich zu jenen Filmen, die auch dem Nicht-Franco-Fan vom Titel her geläufig sind – zumindest jedenfalls seit sich im Zug der Easy-Listening-Welle der neu aufgelegte Soundtrack in den einschlägigen Charts platzieren konnte.

„Eine gewagte und harte Verfilmung des alten Dracula-Themas“ trompetet der alte deutsche Werbe-Trailer vollmundig. So hart ist der Film indessen nicht. Vielleicht mag VAMPYROS LESBOS im Jahr 1970 schockierend gewesen sein. Heute stellt sich der Film als surreal inszeniertes, eher zahmes Gruselmärchen dar. Die Reize von VAMPYROS LESBOS liegen woanders – nämlich in seiner Atmosphäre.

Schon die einleitende Nachtclub-Sequenz, in welcher der geneigte Zuschauer eine schwül-erotische Darbietung der umwerfenden Soledad Miranda verfolgen darf, macht unmissverständlich klar, dass man sich nicht in einem traditionellen Vampirfilm, sondern in einem Werk aus der Jess-Franco-Werkstatt befindet.

Nachtclub

Im weiteren Verlauf des Streifens schaut man fasziniert auf ein buntes Kaleidoskop aus obskurem 70er-Jahre-Look, symboltriefenden Bildern vor der Kulisse Istanbuls und der franco-typischen Dosis nackter Haut – stets untermalt von dem zutiefst eigenwilligen Soundtrack aus der Feder von Manfred Hübler und Siegfried Schwab (hinter denen Roland M. Hahn und Volker Jansen in ihrem peinlich schlechten LEXIKON DES HORROR-FILMS gar einen „orgelspielenden Tonband-Amateur“ vermuteten), die Francos Vampirdrama mit psychedelischem Jazz-Geschwurmel untermalen, was einerseits für einen Grusel-Film geradezu grotesk unpassend ist, andererseits aber absolut funky daherkommt und klar zum Kultstatus des Films beigetragen hat. Die Story ist dabei, wie in so manchem Franco-Film absolute Nebensache und quasi nicht vorhanden. Aber, ehrlich gesagt, interessiert das jemand bei einem solchen Meisterwerk?

Soledad

Fazit: „Sehen ist Glauben“ heißt das Motto bei VAMPYROS LESBOS. Wer einen knalligen Horror-Film sehen will, ist hier fehl am Platz. Stattdessen gibt es einen durch eine eher nebensächliche Hintergrundgeschichte verbundenen Bilderrausch, der sich weniger durch Logik als durch seine abgefahrene Atmosphäre auszeichnet.

VAMPYROS LESBOS ist für mich einer der stimmungsvollsten Franco-Filme meiner Sammlung und bietet einige wunderschön atmosphärische Momente. Für den aufgeschlossenen Zuschauer ist Anschauen Pflicht!

Die deutsche DVD des Films stammt aus dem bewährten Hause CMV und bietet ein ordentliches Bild – dafür allerdings keinen O-Ton und bis auf den Trailer und eine Filmografie der unsterblichen Soledad Miranda in Texttafeln keine Extras. Dennoch im deutschsprachigen Raum die Kaufempfehlung schlechthin.

Raki-o-Meter: Ab einer Buddel Raki aufwärts…. Der psychedelische Effekt stellt sich hier von ganz alleine ein… Einfach schön!

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES (UNA VERGINE TRA I MORTI VIVENTI / CHRISTINE – PRINCESSE DE L‘ EROTISME), Frankreich/Italien, 1971

Regie: Jess Franco / Producers Cut (1980): Jean Rollin und Pierre Quérut)

Darsteller: Christina von Blanc, Britt Nichols, Paul Müller, Rose Palomar, Howard Vernon, Anne Libert, Jess Franco

Länge: 76 Minuten / Producers Cut: 89 Minuten

Christina reist nach Schloss Monserrat, um dort an der Testamentseröffnung ihres jüngst verstorbenen Vaters teilzunehmen. Auf dem Weg dorthin versucht man ihr zwar weiszumachen, dass auf selbigen Schloss niemand mehr lebt, aber Christina lässt sich aber davon nicht beirren. Von dem grenzdebilen Diener Basilio (eine Paraderolle für Jess Franco persönlich) wird sie zum Schloss kutschiert Sie kommt gerade rechtzeitig an, um Zeuge zu werden, wie auch die zweite Frau ihres Vaters an einer mysteriösen Krankheit verstirbt. Die übrige Verwandtschaft macht einen etwas absonderlichen Eindruck. Schon bald findet Christina tote Fledermäuse in ihrem Bett und überrascht eine Freundin der Familie bei lesbischen Folterspielchen, aber das schreckt unsere wackere Heldin nicht. Das ihr dann aber auch noch der Geist ihres toten Vaters erscheint, bringt Christina dann doch ein wenig aus der Fassung….

Die obige Inhaltsangabe mag nach einem klassischen Gruselfilm-Szenario klingen, aber was Regisseur Jess Franco hier abgeliefert hat, ist ein echter Abschnaller vor dem Herrn! Folgen die anderen Filme des Meisters, die auf diesen Seiten besprochen werden (siehe unten) eher einer klar nachvollziehbaren Handlung, verliert sich Franco hier spätestens nach der Ankunft der Titelheldin auf dem Familienschloss vollends im Surrealen.

„Träume sind wie Schatten vergangener Zeiten.“ philosophiert Christinas Tante an einer Stelle und in der Tat scheint sich das Geschehen zwischen Traum und Realität abzuspielen. Die Konturen der logisch nachvollziehbaren Handlung werden zertrümmert.

So wird bei der Trauerfeier der verstorbenen Stiefmutter diese beispielsweise nicht etwa im Sarg aufgebahrt, sondern aufrecht sitzend der anwesenden Verwandtschaft präsentiert. Der unverwüstliche Howard Vernon klimpert dazu auf der Orgel und spielt heitere Melodeien. Carmencia, die oben erwähnte, offenkundig lesbische Freundin der Familie, lackiert sich währenddessen seelenruhig die Fußnägel. Das ist schrill. „Ihr seid wirklich eine lustige Gesellschaft“ bemerkt Christina dann auch schmunzelnd und geht erst mal zum Nacktbaden. Dabei wird sie heimlich von zwei örtlichen Rentnern beobachtet, denen beim Anblick der leckeren jungen Maid nichts besseres einfällt, als man sie gerne beißen würde „bis das Blut spritzt!“

Rentner

Überhaupt wechseln Dialoge und Bilder ständig zwischen filmischer Poesie und absolutem Trash, so dass man sich mitunter fragt, was Franco und seine Crew vor den Dreharbeiten wohl geraucht haben. Begleitet wird das ganze von eigentümlichen Synthesizer-Klängen, die das absurde Filmvergnügen abrunden.

Soweit die ursprüngliche Fassung des Films von 1971. Macht diese noch einen durchaus runden, wenn auch mitunter angenehm gehirnalbernen Eindruck, fällt dem geneigten Zuschauer jedoch beim Betrachten des 1980 erstellten, sogenannten Producers Cut unweigerlich die Kinnlade herunter. Für jene Fassung wurden von Jean Rollin (THE LIVING DEAD GIRL) Szenen mit Untoten gedreht, um auf der damaligen Zombiefilm-Welle mitschwimmen zu können. Diese neuen Szenen fallen sofort ins Auge, da sie sich in keiner Weise in den ursprünglichen Film einfügen und jeden tieferen Sinns entbehren.

Fazit: Der Cover-Text der deutschen DVD „Jeder Dialog wirkt wie ein Gedicht und strotzt voller Poesie“ ist sicherlich etwas übertrieben. Tatsache ist, dass es sich tatsächlich um einen recht poetischen Streifen handelt, den man jedoch kaum mit den Maßstäben eines Standard-Gruselstreifen messen kann. Dazu ist er einfach zu absonderlich. Auch für Franco-Verhältnisse ist dies ein relativ unzugänglicher Streifen, den man im Prinzip nur lieben oder hassen kann. Meines Erachtens ist EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES ein echter Klopper, aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Zur DVD: Der Silberling zum Film stammt aus dem bewährten Hause X-RATED und ist sowohl als Einzel-DVD als auch als limitierte Doppel-DVD in einer wirklich schicken Hartbox erschienen. Auf letzterer befinden sich der Original-Cut des Films von 1971, der Producers Cut, diverse Trailer, eine Bildergalerie, entfallene Szenen, der französische Original-Anfang des Films sowie die 13 zusätzlichen Filmminuten der Rollin-Fassung als separat anwählbares Feature. Unbedingt empfehlenswert!

Raki-o-Meter: Aufgrund der Eigenwilligkeit des Films würde ich – je nach filmischer Vorbildung – drei Flaschen Raki ansetzen. Für franco-gestählte Cineasten reicht aber durchaus eine.

Anmerkung: Diesen Film habe ich unter anderem beim diesjährigen Wichteln auf www.cinefacts.de verschenkt. Ich hoffe, der Empfänger hat viel Freude mit diesem Epos 🙂

ROLLS ROYCE BABY (Schweiz, 1975)

Regie: Erwin C. Dietrich
Darsteller: Lina Romay, Erik Falk, Ursula Maria Schäfer, Roman Huber
Länge: 85 Minuten

Lina ist ein internatonaler Filmstar und Fotomodell. Sie kann sich eine schicke Villa, einen Chauffeur und einen noblen Rolls Royce leisten. In diesem lässt sie sich durch die Lande kutschieren, um männliche wie weibliche Anhalter aufzulesen und sich mit diesen ein paar überaus vergnügliche Stunden zu machen…

Ja, das war auch schon die grob umrissene Handlung dieses netten Films – handelt es sich bei ROLLS ROYCE BABY doch um einen Ferkelfilm allererster Kajüte. Eine wirkliche Story ist also nicht vorhanden und die zarten Ansätze derselben dienen nur dem Zweck, die Protagonisten möglichst häufig in verschiedenen Stadien der Entkleidung abzulichten.

ROLLS ROYCE BABY stammt aus der Werkstatt von Erwin C. Dietrich – jenem Schweizer Regisseur und Produzenten, mit dem der auf diesen Seiten recht häufig vertretene Jess Franco einige sehr nette Werke geschaffen hat, so zum Beispiel JACK THE RIPPER, LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE oder FRAUEN FÜR ZELLENBLOCK 9.

Bei ROLLS ROYCE BABY hat jedoch ausnahmsweise nicht der spanische Meister des Flutsch-Films Regie geführt, sondern Dietrich persönlich. Dafür bekommt man hier in der Hauptrolle Lina Romay, Francos Ehefrau, spendiert, die sich gleich in den ersten Minuten des Films in einem wackligen Schaukelstuhl und mit einem großen Rasiermesser bewaffnet eine Intimrasur gönnt.

Lina Romay

Spätestens hier dürfte der geneigte Zuschauer jeden Gedanken an ein feinsinniges psychologisches Drama in den Wind geschlagen haben, aber ein solches dürfte ja auch kaum in Dietrichs Absicht gelegen haben. Stattdessen bekommt man einen gepflegten 70er-Jahre-Erotik-Streifen geboten, der größtenteils an der Softcore-Grenze bleibt, aber auch zuweilen einige detailfreudige Einblicke bietet.

Was den Film über das Standard-Zelluloid-Gerammel der heutigen Zeit hinaushebt, ist zum einen sicher der skurille Humor, mit dem Dietrich seine Geschichte erzählt (Erik Falk als gorillahafter Chauffeur ist etwas, das man leibhaftig gesehen haben muss, um es zu glauben). Daneben gibt es das damals übliche schräge 70er-Jahre-Design und eine Bild-Ästhetik, die den konventionellen Porno-Film in ihren besten Momenten weit hinter sich lässt. Außerdem kam Mrs. Franco selten so charmant und sinnlich über die Mattscheibe.

Fazit: Wer auf der Suche ist nach einem gewöhnlichen Hardcore-Streifen, um sich wieder einmal gepflegt die Fleischpeitsche zu polieren, sollte weitersuchen. ROLLS ROYCE BABY ist ein charmant-witziger Ausflug in die Ferkeleien der 70er Jahre, wie sie heute leider nicht mehr gedreht werden. Prüde Menschen dürften sich trotzdem mit roten Wangen abwenden, aber diese haben ja schließlich auch keinen Zugang zu diesen Seiten…

Zur DVD: Der Silberling ist beim ABCDVD-Label erschienen und bringt den Streifen, soweit ich das beurteilen kann, in einer ungekürzten Fassung und in angemessener Bildqualität. Als Extras gibt es mehrere Trailer vergleichbarer Filme, damit hat es sich auch schon, aber man muss ja schon dankbar sein, wenn solche Perlen heutzutage überhaupt veröffentlicht werden….

Raki-o-Meter: Der ein oder andere Raki könnte zweifelsohne beim Genuß des Films nicht schaden.

ANGEL OF DEATH – FUCK OR DIE! (Alternativ-Titel: DER TODESENGEL), BRD 1998 / Directors Cut: 2006

Regie: Andreas Bethmann

Laufzeit: Langfassung (Final Cut) – 161 Minuten / Directors Cut – 88 Minuten

Manila May (Manila), Marc Fehse (Mike), Timo Rose (Angelo), Lady Kora (Angel),
Katharina Herm (Tina)

Zusammenfassung (Covertext) =
Das Fotomodell Manila wird von den beiden Zuhältern Angelo und Mike brutal vergewaltigt. Langsam beginnt sich ihre Psyche zu verändern. Sie wird zur Killerin und sinnt auf Rache!

Willkommen zum ersten Review eines Films von Andreas Bethmann, den seine Fans auch gerne als die wildgewordene teutonische Reinkarnation von Joe d’Amato bezeichnen. Kenner wissen, was sie nun erwartet. Alle anderen lesen jetzt natürlich brav weiter 😉
Die obige Zusammenfassung lässt erahnen, dass die Handlung des Films nicht allzu komplex ist. Bethie selbst, der sich seit ANGEL OF DEATH zweifellos enorm weiterentwickelt hat (siehe die EXITUS-Reihe oder ANGEL OF DEATH 2 – THE PRISON ISLAND MASSACRE – Review folgt) hat, bezeichnet den Film heute dann auch prompt als „Jugendsünde“.

Angel of Death 1

Bei der bisher erhältlichen DVD-Version von AoD1 handelte es sich um eine monströs aufgeblähte Schnittfassung, die dem geneigten Zuschauer zwar einen gewaltigen T&A-Faktor bot und auch mit Splatter nicht sparte, aber mal im Ernst, bei der minimalen Story sind 2 Stunden 40 einfach zu lang – gerade bei einem Film, den man trotz aller Bemühungen immer noch dem Amateur-Genre zurechnen kann.
AoD hat schon mehrere Inkarnationen auf VHS hinter sich und wurde damals auch auf VHS gedreht. Die neue Laufzeit von 88 Minuten tut dem Film erstaunlich gut. Die Handlung beschränkt sich auf die Basics, fast sämtliche abstrusen Neben-Plots wurden fallengelassen. Glaubt man Bethie, entspricht diese Version nun endlich seiner Original-Drehbuch-Fassung von 1998.
In seiner jetzigen Inkarnation ist AoD ein spaßiges Rape & Revenge-Filmchen mit dem ein oder anderen hübsch anzuschauenden Splatter-Effekt, viel nacktem Fleisch und (was die Damen hier sicher besonders interessiert *g*) ein wenig Lesben-Sex.
Im Gedächtnis bleiben vor allem die beiden hervorstechenden Argumente der Hauptdarstellerin, die Pseudo-Tarantino-Coolness der beiden Zuhälter und die legendäre Masturbations-Szene, in welcher der abgetrennte Kopf eines Mannes eine wesentliche Rolle spielt…

Fazit: Bunte Getränke auf den Tisch und dann in großer Runde anschauen! Macht Spaß! Die Einordnung als „erotische Horror-Gauner-Komödie“ (Cover-Text) finde ich trotzdem bizarr, was dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch tut 🙂

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (aka: Quella Villa Accanto Al Cimetero / House by the cemetery), Italien 1981

Regie: Lucio Fulci

Darsteller:
Katherine MacColl as Lucy Boyle
Paolo Malco as Dr. Norman Boyle
Ania Pieroni as Ann the Babysitter
Giovanni Frezza as Bob Boyle
Silvia Collatina as May Freudstein
Dagmar Lassander as Laura Gittleson
Giovanni de Nava as Dr. Freudstein

DVD-Covertext:
Normann, ein junger Historiker, ist mit seiner Frau Lucy und seinem kleinen Sohn Bob von New York nach Neu-England umgezogen, um dort gewisse Forschungen weiter zu führen. Sein Vorgänger hatte Selbstmord begangen. Norman mietet ein Haus, welches ihm die Agentin Laura Gittelson vermittelt. Seit dem Tode Petersons, der vorher dort wohnte, steht das Haus in einem schlechten Ruf. Nicht zuletzt auch, weil vor über hundert Jahren ein gewisser Dr. Freudstein darin lebte und wirklich unheimliche Dinge geschehen: Bob wiederholt täglich, daß er ein kleines Mädchen, genannt May, kenne und sich mit ihr treffe – aber niemand hat dieses Mädchen je gesehen. Lucy findet in einem Raum des Grauens einen Sarg und unerklärliche Geräusche kommen aus dem Keller…

Das Haus an der Friedhofsmauer

Meine bescheidene Meinung:
Der italienische Schlock-Meister Lucio Fulci hat zwischen 1951 und 1992 eine ganze Menge Filme gedreht, darunter Komödien, Endzeit-Filme und Italo-Western. In den späten 70ern bis etwa Mitte der 80er sprang Fulci dann auf die von „Dawn of the Dead“ losgetretene Horror-Film-Welle auf und begann damit, blutige Splatter-/Zombie-Filme zu fabrizieren, die diversen Jugendschützern immer noch ein Dorn im Auge sind und von den Splatter-Fans nach wie vor heißgeliebt werden.
Bei „Haus an der Friedhofsmauer“ hat Fulci auf Zombie-Horden verzichtet und stattdessen das Grauen auf eine Person konzentriert, den gruseligen alten Dr. Freudstein, der sich durch Selbsttransplantation frischer Leichenteile am Leben erhält.
Der Film ist eine solide Spukhaus-Geschichte, die – trotz einiger, nicht zuletzt budget-bedingter Plot-Holes – durchaus ziemlich atmosphärisch ist und zu den stärksten Arbeiten Fulcis gezählt werden kann.
Aber Fulci wäre nicht er selbst, wenn er die Story nicht nutzen würde, um mal wieder ausgiebig in Blut und Gedärmen zu waten. Es gibt einiges an Maden und brutalen Morden zu bestaunen, sodass man völlig befriedigt ist, wenn der Abspann losflimmert.

Fazit: Feiner Italo-Gore-Knaller der alten Schule und Pflichtprogramm für Splatter-Fans.

FANTOM KILLER (Polen, 1998)

Regie: Roman Nowicki
Darsteller: Andrej Jass, Eliza Borecka, Katarzyna Zelnik, Magda Szymborska u. a.
Länge: 88 Minuten

Im schönen, sonnigen Polen geht ein Serien-Mörder um. Schon mehrere hübsche junge Frauen sind ihm zum Opfer gefallen, aber er findet kein Ende, denn er hat wirklich ausgesucht einen an der Waffel, wie man sich im Verlauf der strammen 88 Minuten dieses Films überzeugen kann…

„Mein lieber Schwan, von dem Kraut, das die Jungs drüben in Polen rauchen, will ich auch was haben!“ war mein erster Gedanke nach dem Konsum dieses unglaublichen Streifens, den ich als Spontankauf auf einer Filmbörse erworben habe.

Die rudimentäre Story um einen maskierten Frauenmörder ist mit billigsten Mitteln in Szene gesetzt und völlig surreal inszeniert, sodass der geneigte Betrachter bereits wenige Minuten nach dem Vorspann jeden Gedanken an einen ernsthaften Thriller in den Wind schlägt.

Neben argentoesken Elementen  wie der abgedrehten Farbgebung bekommt man eher platte Symbolik, breit ausgespielte Mordsequenzen und massiv misogyne Entgleisungen geliefert, die in ihrer Gesamtheit durchaus erheitern, wenn man das Gesehene nicht allzu ernst nimmt.

Die durchaus ansehnlichen Darstellerinnen haben dabei stets die Gelegenheit auf die absurdesten Weisen ihre Kleidung zu verlieren, bevor sie die Bekanntschaft des Fantom Killers machen. Die Inszenierung der Morde selbst scheint von einschlägigen pornografischen Filmen inspiriert. Primäre und sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale genießen hierbei besondere Aufmerksamkeit des Kameramannes.

Der absurd-komische Höhepunkt des Films war für mich mit einer bizarren Neu-Interpretation der Geschichte um König Artus und das Schwert im Stein erreicht, bei der das Rektum einer jungen Dame und ein Kochlöffel (!) die Hauptrolle spielten. Wer es nicht gesehen hat, wird es nicht glauben…

Das Schwert im Stein

Mein Fazit: Ein mit frauenfeindlichen Entgleisungen, Blut und einem enormen T&A-Faktor angereichertes Machwerk, das sehr surreal daherkommt und den unvorbereiteten Zuschauer mit offenem Mund zurücklässt.

Raki-o-Meter: Vier Flaschen Raki kaufen und drei sofort trinken, erst dann entfaltet FANTOM KILLER seine volle halluzinogene Wirkung. Bei Bedarf die vierte Flasche über den Kopf schlagen…

DER TEUFEL KAM AUS AKASAVA (THE DEVIL CAME FROM AKASAVA), BRD/Spain 1971

Regie: Jess Franco

Fred Williams as Rex Forrester
Soledad Miranda as Agentin Jane
Horst Tappert as Dr. Thorrsen
Ewa Strömberg as Mrs. Thorrsen

DVD-Covertext:
Professor Forrester und sein Assistent finden im Dschungel einen geheimnisvollen Stein, dessen tödliche Elementarkräfte sie zu Beherrschern der Welt machen könnten. Doch der Stein bringt Unglück. Beide Männer verschwinden. Forresters einflußreicher Freund, Lord Kingsley, setzt den Geheimdienst von Scotland Yard auf die Spur. Die Agentin Jane fahndet nach unheimlichen Verbrechen und Anschlägen zwischen Nachtbars, eleganten Hotelzimmern und unwegsamem Dschungel. Mehrere Interessenten scheinen sich für den Stein zu interessieren und einige schrecken auch vor Mord nicht zurück…Soledad MirandaMeine bescheidene Meinung:
Achja, die guten alten Edgar-Wallace-Filme. Man kennt die Dinger ja: „Der Hexer“, „Der Zinker“, „Der Frosch mit der Maske“ usw. Damals gabs schätzungsweise eine Zillion Wallace-Verfilmungen, auch der spanische Meister des Flutsch-Films, Jess Franco, hat bei einem solchen Werk Regie führen dürfen.Mit den bekannteren, eher betulichen Wallace-Filmen hat Francos Streifen allerdings wenig gemeinsam. Man kennt ihn ja, den alten Schelm… 😛
Was der Spanier hier abgeliefert hat, ist nämlich – wie auch kaum anders zu erwarten – schlichtweg der quietschende, grellbunte Wahnsinn. Francos Agenten-Story ist völlig wirr inszeniert, um nicht zu sagen: bescheuert, und wer dem himmelschreienden Plot nach 20 Minuten noch zu folgen vermag, muss ein Genie sein!
Aber man muss „Akasava“ ja auch gar nicht verstehen, um eine Menge Spaß an ihm zu haben. Immerhin ist hier nahezu die komplette Mannschaft aus „Vampyros Lesbos“ und „Sie tötete in Ekstase“ versammelt. Die leckere und auch gerade in diesem Film wirklich wunderhübsche Soledad spielt eine toughe Agentin, macht sich diverse Male nackig und hat, wie auch schon in „Vampyros Lesbos“, einige bezaubernde Nachtclub-Auftritte. Daneben dürfen wir Horst „Derrick“ Tappert bewundern (der ungefähr so gut schauspielert wie mein Wohnzimmertisch) und über allem liegen die wunderschönen Easy-Listening-Klänge der beiden wahnsinnigen Orgelmeister Hübler und Schwab.

Fazit: Wer will noch James Bond, wenn er dafür Agentin Jane haben kann? Ansehen! Dringend! Kult!

BEHIND THE GREEN DOOR (USA 1972)

Regie: The Mitchell Brothers

Darsteller:
Marilyn Chambers: Gloria Saunders
George S. McDonald: Barry Clark
Johnnie Keyes: „the Stud“

DVD-Covertext:
Marilyn Chambers, the All-American Girl who undeniably changed the face of the adult film industry, stars in her classic ground-breaking ingenue role. Brought to the screen by the innovative talents of the Mitchell Brothers, she takes you on a cinematic journey into the sublime… 😛

Story:
Das Schnuckelchen Gloria wird entführt und in einen ominösen, ganz exklusiven Nachtclub verschleppt. Dort muss sie „hinter der grünen Tür“ mit Männlein und Weiblein zahlreiche, interessant aussehende Sexual-Akte vor einem maskierten Publikum vorführen. Schnell entwickelt sich daraus eine ausgelassene Orgie…

Meine bescheidene Meinung:
„Behind the Green Door“ war 1972 ein schöner Skandal und hat, genau wie „Deep Throat“, dazu beigetragen, den gemeinen Porn-Film auch dem Mainstream-Zuschauer bekannt zu machen.
Während „Deep Throat“ jedoch maßlos überschätzt ist, sehr unansehnliche Menschen beim Ficköhn zeigt und hauptsächlich von den Schwertschluck-Künsten seiner Hauptdarstellerin lebt, hat „Green Door“ massig Atmosphäre zu bieten.
Der ominöse Nachtclub kommt sehr dekadent herüber und Marilyn Chambers gibt ihr Bestes. Später sollte sie noch in einigen anderen Porn-Movies mitspielen, aber auch in David Cronenbergs starkem „Rabid – der brüllende Tod“ sollte die Gute noch mitwirken, wo sie eine Blutsaugerin spielt.
Einer der Gründe für den damaligen Riesen-Skandal war natürlich die explizite Sexszene zwischen dem braven Saubergirl Chambers und einem Farbigen. Wenn man sich zurückerinnert, für was einen Aufstand damals der Kuss zwischen Cäptn. Kirk und Uhura nur wenige Jahre zuvor gesorgt hat, ist dies aber nur zu verständlich. Wie seltsam Amerika ist…

Höhepunkt (im wahrsten Sinne des Wortes) ist zweifelsohne eine 7-minütige Ejakulations-Sequenz, die mit schriller Musik unterlegt ist und merkwürdig bunt verfremdet dargestellt wird. Zum einen sehr künstlerisch, zum anderen bestärkt es mich in meiner Meinung, dass die Macher des Films allesamt auf Drogen gewesen sein müssen 🙂 Die glücklichen Schurken… Das muss man gesehen haben, um es zu glauben!!!

Behind the green door

Für heutige Porn-Verhältnisse ist der Film vergleichsweise zahm, was ihm aber nichts von seiner Wirkung nimmt. Wer auf gnadenloses hartes US-Gonzo-Gerammel steht, sollte von diesem Streifen natürlich die Finger lassen, allen anderen sei er ernsthaft ans Herz gelegt. Immerhin handelt es sich um einen durchaus stylischen Vertreter des klassischen Flutsch-Films. Und Spaß macht er auch 😛

Die DVD = Für die DVD wurde der im Kinoformat gedrehte Film auf 4:3-Vollbild heruntergestutzt, worunter natürlich die Bildkomposition leidet. Das Bild selbst ist für einen Porno-Film dieses Alters recht gut, der Ton ebenso. Als Bonus-Features gibt es bei diesem Klassiker dieses Genres „trommelwirbel“ nichts, außer einer Handvoll Trailer. Sehr schade…

Fazit:
5 von 5 Rakis für den Film, 2 von 5 Rakis für die DVD-Umsetzung.

Prost zusammen :o)

Welch wundersame Möglichkeiten einem die moderne Technik doch bietet….

An dieser Stelle werde ich dem geneigten Leser unter anderem künftig meine hochwohlgeschätzte Meinung über diverse filmische Ergüsse kundtun. Hierbei widme ich mich vornehmlich dem von mir favorisierten Genre des sogenannten Flutsch-Films!

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß bei der Lektüre!