FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER (OT: GOJIRA TAI HEDORA, aka: GODZILLA VS. THE SMOG MONSTER), Japan 1971

Regie: Yoshimitsu Banno

Darsteller: Akira Yamauchi (Dr. Yano), Hiroyuki Kawase (Ken Yano), Toshie Kimura (Frau Yano), Tohio Shibaki (Yukio Keuchi), Keiko Mari (Miki Fujiyama)

Laufzeit: 85 Minuten

Bereits im heute schon legendären Ramen-Forum von Fräulein Atali waren schon so einige (englischsprachige) Reviews zum Thema Godzilla zu finden, so unter anderem auch eine längere Abhandlung über Emmerichs traurige „Lizard of Emo“. Nun wollen wir auch in diesem Blog einmal mit unserem Lieblingssaurier beschäftigen…

Godzilla

Rauchende Fabrikschornsteine, öl-verpestete Meeresfluten, Abfallberge allerorten. Wahrhaft idyllische Bilder sehen wir im Vorspann. Dazu ertönt der ungemein schmissige Titelsong, geschmettert von einer jungen Dame, auf die immer wieder umgeschnitten wird und die von surrealem Farbgeblubber umgeben ist.

Credits

Sehr trippy, das ganze, aber es wird noch besser. Wir sind ja gerade erst am Anfang…

Es ist, wie uns schon in den Credits gezeigt wird, nicht gut bestellt um Japans Umwelt im Jahre 1971. Der Meeresbiologe Dr. Yano, der sich schon länger mit diesem Thema beschäftigt, ist dementsprechend besorgt. Eines Tages schneit ein Fischer bei ihm herein und bringt ihm eine Art übergroßer Kaulquappe vorbei. Außer diesen Tieren würde er nichts anderes mehr fangen, so der Fischer. Auch sonst tut sich unheimliches. In einer Fernsehmeldung erfahren wir von einem mysteriösen Seebeben und der bisher ungeklärten Zerstörung eines Tankers und eines Frachtschiffs.

Hedora-Foto

„Das ist bestimmt ne Riesenkaulquappe gewesen“, mutmaßt Dr. Yanos Sohnemann, der kleine Ken (der nebenbei ein großer Godzilla-Fan ist), sofort.

Dr. Yano entschließt sich zu einem wagemutigen Tauchgang, um näheres herauszufinden. Während Klein-Kenny ihn vom Ufer aus beobachtet, steigt er in die Fluten. Unter Wasser begegnet er dann tatsächlich einem merkwürdigen Geschöpf, wobei er sich Verätzungen der rechten Gesichtshälfte zuzieht. Auch Kenny sieht das unheimliche Wesen und tauft es schon bald auf den Namen Hedora (in der deutschen Synchron-Fassung Hydrox).

Man vermutet ganz richtig, dass die wachsende Verschmutzung der Umwelt für die Entstehung Hedoras verantwortlich ist. In der Tat taucht das Monster immer in völlig verschmutzten Buchten auf. Der Zusammenhang wird uns in der ersten von mehreren Trickfilm-Einspielungen noch einmal deutlich illustriert.

Trickfilm

„Godzilla würde wütend werden, wenn er das (die Umweltverschmutzung) sehen würde. ER würde etwas dagegen unternehmen!“, merkt Kenny an. Wie recht er hat, werden wir schon bald sehen.

Hedora, mittlerweile um ein gutes Stück gewachsen, steigt jedenfalls schon bald an Land, um sich spätabends an rauchenden Fabrikschornsteinen zu berauschen, als tatsächlich urplötzlich Godzilla auftaucht.

Hedora 2

Es kommt zu einer herzhaften Rangelei zwischen den beiden Untieren, bei der Hedora so wild herumgewirbelt wird, dass es haufenweise schwarze Schmodderklumpen in die Gegend verspritzt. Einer davon kracht durch Fenster einer lustigen Zockerrunde. Überflüssig zu sagen, dass die Männer das nicht überleben…

Disco

Yukio, der mit den Yanos befreundet ist, macht derweil eine örtliche Disco unsicher und hat sich offenkundig schon das ein oder andere Rauschmittelchen reingedrömelt. Während er dort eine aufregende Gesangseinlage bewundert, nimmt er nämlich die anwesenden Discobesucher nur noch mit lustigen Fischköpfen wahr.

Fisch

Schlagartig nüchtern wird Yukio dann, als einer von Hedoras Schmodderklumpen in der Disco landet. Im Gegensatz zu den Zockern wird jedoch hier niemand ernsthaft verletzt. Yukio flüchtet mit seiner Freundin Miki in einem Auto.

Derweil fighten Godzilla und Hedora immer noch, wobei Hedora zu unterliegen scheint.

Godzilla 2

Flugs verwandelt sich das Müllmonster in eine Art fliegende Untertasse und flüchtet ins Meer. Godzilla folgt und für diese Nacht herrscht Ruhe.

Bald darauf taucht Hedora jedoch wieder auf, diesmal am helllichten Tag. Es kommt zu weiteren Zerstörungen und es zeigt sich, das der fliegende Hedora eine Art Gas absondert, welches Menschen in kürzester Zeit sklettiert.

Dr. Yano, immer noch auf dem Krankenbett, kommt nach einem kleinen Exkurs über Kernspaltung (dies ebenfalls illustriert durch einen kurzen Trickfilm) eine zündende Idee, wie man Hedora zu Leibe rücken kann. Das Monster soll zwischen zwei riesige Elektroden gelockt werden, wo man ihm mit Starkstrom den Garaus machen will.

Die Jugendlichen um Yukio sehen derweil angesichts der immer höheren Opferzahlen das Ende der Welt gekommen und beschließen demzufolge, am Fujiyama erst mal eine zünftige Party zu feiern. Dort ist auch die Armee mit den Vorbereitungen für die Falle beschäftigt, in welche man Hedora zu locken gedenkt.

Während die Jugendlichen noch feiern, treten Godzilla und Hedora wieder auf den Plan. Abermals kommt es zu einer zünftigen Keilerei. Hedora ist indessen ein weiteres Mal mutiert und kann nun eine Art Vernichtungsstrahl abfeuern, der Godzilla arg zu schaffen macht. Hedora schafft es, den Saurier erst einmal außer Gefecht zu setzen.

Dr. Yano und seine Frau, die sich eilig auf den Weg zum Fujiyama gemacht haben, treffen vor Ort ein, um die aufgestellte Falle zu begutachten.
Als sich Hedora dann endlich den aufgestellten Elektromasten nähert, taucht Godzilla wieder auf und es kommt zum finalen Kampf…

Hedora 3

Soweit zur Story dieses epochalen Monster-Schlockers.

Man muss die deutschen Titelschmieden der 70er einfach lieben. Einen Frankenstein sucht man in diesem Film nämlich natürlich vergebens und auch von Teufelsmonstern ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen bekommt der geneigte Zuschauer etwas ganz und gar anderes geliefert.

1971 war es, als die Zuschauerzahlen der Godzilla-Filme langsam aber sicher zurückgingen. Die Führungsmannschaft der Toho-Studios entschied sich daher für ein paar Konzeptänderungen. Die Regie des neuesten Films wurde Yoshimitsu Banno übertragen, der bereits als Assistant Director an Kurosawas „Das Schloss im Spinnwebwald“ und „Die verborgene Festung“ mitgearbeitet hatte, aber mit Monsterfilmen bis dato so rein gar nichts am Hut hatte.

Umweltverschmutzung, damals wie heute ein heißes Thema, sollte die Grundlage der Story seines Films bilden und so gab Banno dem Affen ordentlich Zucker. Die Produzenten freilich waren mit dem fertigen Ergebnis angeblich wohl gar nicht zufrieden, weshalb dies auch Bannos einziger Beitrag zur langlebigen Serie geblieben ist.

In durchaus drastischen Bildern zeigt Banno uns die Folgen der wachsenden Industrialisierung Japans. Dabei arbeitet der Regisseur mit diversen visuellen Tricks, die man so in einem Godzilla-Film noch nicht gesehen hat. Genannt seien hier beispielsweise die kurzen Zeichentrick-Einspieler, welche das Geschehen erläutern und die Problematik auf den Punkt bringen. Die Atmosphäre des Films ist zeitweise durchaus bedrückend, zumal Banno sich auch nicht scheut, die menschlichen Opfer Hedoras deutlich zu zeigen.

Hedoras Opfer

Aber auch die spacig-surreale Disco-Sequenz (Stichwort: Fischköpfe), die durch das Auftauchen des Müllmonsters abrupt unterbrochen wird, verdient hervorgehoben zu werden.
Meine persönliche Lieblings-Szene ist allerdings der angenehm-alberne Moment, als wir Godzillas Flugkünste kennenlernen. Beim Kampf am Mt. Fujiyama versucht Hedora in Untertassen-Form die Flucht zu ergreifen. Godzilla überlegt daraufhin einen kurzen Moment und nutzt dann die Rückstoßkraft seines Atomstrahls, um ebenfalls abzuheben und die Verfolgung aufzunehmen, was – unter uns gesagt – absolut zum Schreien aussieht.

Godzi fliegt

Mein Fazit: Bei „Gojira tai Hedora“ handelt es sich um einen absolut ungewöhnlichen Beitrag zur Godzilla-Reihe, der trotz des kindlichen Tonfalls, den die Filme zu dieser Zeit hatten, sein Thema erstaunlich ernst nimmt. Für Freunde radioaktiver Riesen-Saurier unbedingt empfehlenswert. Der Hedora-Auftritt ist ein Meilenstein innerhalb der von 1954 bis 1975 andauernden Showa-Ära – also des ersten Godzilla-Zyklus. Leider kam das Monster – von einem Sekundenauftritt in „Godzilla – Final Wars“ einmal abgesehen – nie wieder zu Leinwandehren. Schade eigentlich, handelte es sich doch um einen beeindruckenden Gegner.

Credits 2

Schlusswort: Der Kommissar empfiehlt fünf Rakis. Bei surrealen Disco- oder Flugsequenzen zwei Pülleken extra leeren!

Kommissar Lehmann

Autor: Kommissar Lehmann

Wenn ihr euch bewegt, sehe ich das!

2 Gedanken zu „FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER (OT: GOJIRA TAI HEDORA, aka: GODZILLA VS. THE SMOG MONSTER), Japan 1971“

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