DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (OT: EL ATAQUE DE LOS MUERTOS SIN OJOS, Spanien/Portugal 1971)

Darsteller: Tony Kendall (Jack Marlowe), Fernando Sancho (Mayor Duncan), Esperanza Roy (Vivian), Frank Braña (Howard), José Canalejas (Murdo) u. a.

Regie: Amando de Ossorio

Laufzeit: ca. 83 Minuten

Offenbar scheint es da draußen ja tatsächlich noch den ein oder anderen Fan der untoten Templer zu geben, darum lassen wir uns auch nicht lange lumpen, sondern verlieren an dieser Stelle noch ein paar Worte zum zweiten Teil der Serie.

Los geht’s…

Vor 500 Jahren führte ein Templerorden unschöne Menschenopfer durch und wurde dafür von der aufgebrachten Dorfbevölkerung zunächst geblendet und dann ohne große Umstände verbrannt. Das Ganze war natürlich eine Riesengaudi und deshalb soll das Jubiläum des kleinen Grillfests auch ausgelassen gefeiert werden. Mit Feuerwerk und allem Drum und Dran!

Wie üblich gibt es aber einen Spaßverderber. Der bucklige Dorfdepp Mordo sorgt nämlich dafür, dass sich pünktlich zum Fest die Templer aus ihren Gräbern erheben. Hierzu meuchelt er eine eigens zu diesem Zweck entführte Maid und vergießt ihr Blut auf dem Gräberfeld. Tjaha, das zeigt auch tatsächlich Wirkung und schon bald reiten sie wieder, die Leichen, und hauen angemessen auf den Pudding!

Über den Klassiker-Status der Reihe habe ich mich ja schon in meinem Review zu „DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN“ zu Genüge ausgelassen, also überspringen wir diesen Part mal gekonnt.

Nachdem de Ossorio mit seinem ersten Templer-Film einen echten Hit gelandet hatte, war ein Sequel quasi unvermeidlich. Obwohl wir hier jedoch In Nebenrollen mehrere Darsteller aus dem ersten Teil wieder sehen – nämlich Lone Fleming und José Thelman -, handelt es sich jedoch nicht um eine direkte Fortsetzung, spielen diese doch nun völlig andere Rollen. Auch die Hintergrundlegende der Templer unterscheidet sich merklich von jener, die dem geneigten Zuschauer im ersten Film nähergebracht wurde.

Hieß es in „Die Nacht der reitenden Leichen“ noch, die Templer seien aufgrund ihrer Menschenopfer aufgeknüpft und ihre Augen von Krähen gefressen worden, dürfen wir hier in einem Prolog miterleben, wie ein aufgebrachter Lynchmob die Templer zunächst mit Fackeln blendet und dann bei lebendigem Leib verbrennt.

Anderes ist wiederum höchst vertraut, so gibt es nämlich nicht nur Darsteller-Recycling, sondern die komplette Auferstehungssequenz mit anschließendem atmosphärischem Ausritt entstammt Bild für Bild dem ersten Film. Damit es nicht so auffällt, werden freilich Aufnahmen des Dorfdepps dazwischen geschnitten, der für die Erweckung der Templer verantwortlich ist.

„Ein Prosit der Gemütlichkeit“, denkt sich der Kommissar da und befördert gleich mal den ersten Bommerlunder an seinen Bestimmungsort. Solche Zweitverwertung hätte ich jetzt eher von Señor Franco erwartet, aber sei’s drum. Hätte ich den ersten Teil nicht gerade erst vor ein paar Tagen gesehen, wäre mir das wahrscheinlich nicht derb so ins Auge gestochen.

Abgesehen davon funktioniert das Sequel aber durchaus gut. Die reitenden Leichen sind immer noch unheimlich und das ganze Geschehen ist spannend in Szene gesetzt, wenn man auch keine großen Überraschungen erwarten darf. Hatten die Templer in „Die Nacht der reitenden Leichen“ vielleicht gerade einmal 15 Minuten Screen Time, sind sie hier nun deutlich präsenter. Und wie präsent sie sind! Als das erwähnte Dorffest in großem Maßstab aufgemischt wird, erlebt der Bodycount eine deutliche Steigerung.

Generell finde ich den Film jedoch ein wenig platter, was an den formelhaften 70er-Jahre-Charakteren liegen mag. Da haben wir das verhinderte Liebespaar mit dem markigen Strahlemann-Held, den bösen Bürgermeister und dergleichen mehr. Den buckligen Murdo fand ich allerdings ganz ulkig. Ein entfernter Nachfahr von Igor, vermute ich mal 🙂

Insgesamt liegt der Fokus in diesem Film mehr auf Blut und Action, nichtsdestotrotz macht das ganze Gerangel aber eine Menge Laune. Ich für meinen Teil habe mich, auch aus nostalgischen Gründen, bestens unterhalten gefühlt!

An dieser Stelle aber noch schnell ein Wort zum üblichen Fassungswirrwarr:
Tjaha, wie wir uns erinnern, wurden damals in den wilden 70ern unterschiedliche Schnittfassungen für unterschiedliche Märkte unters Volk gebracht. So durfte es in den spanischen Ursprungsfassungen gerne mal etwas blutiger sein, während man in Rest-Europa dafür stattdessen etwas mehr nackte Haut zu sehen bekam.

Die vorliegende DVD-Version von „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ ist eine Art Bastard-Fassung. Man hat die von der Szenenfolge anders geschnittene Euro-Version genommen und kurzerhand die deftigeren Schmodder-Szenen der spanischen Fassung in selbige integriert.

Ulkigerweise wird in den entsprechenden Sequenzen im oberen rechten Bildbereich stets „Restored Cut Scene“ eingeblendet – dies deshalb, weil man die Szenen einem spanischen TV-Master entnommen hat und das entsprechend eingeblendete Sender-Logo überdecken wollte.

Nebenbei wechselt die Tonspur zwischendurch auch mal unmotiviert ins Englische. Dass diese Sequenzen natürlich nicht untertitelt sind, erübrigt sich fast zu erwähnen.

Mich erinnert so eine Vorgehensweise ein bisschen an den „Ultimate Final Cut“ von „Dawn of the Dead“ aus dem Hause Astro. Aber nun gut, eine bessere Version ist in deutschen Landen zur Zeit nicht absehbar und für kleines Geld isses allemal OK. Den Film in einer dieser geradezu sündhaft überteuerten Sammler-Editionen mit Sammelfigürchen und Schnickschnack zu erstehen, davon sollte man freilich Abstand nehmen. Dazu besitzt diese Version des Streifens noch zu viel Verbesserungsbedarf.

Kommen wir damit zum filmischen Fazit: Daumen hoch vom Kommissar, der schon merklich schlechtere Fortsetzungen gesehen hat.

Raki-o-Meter: Der Kommissar vergibt zwei Pülleken, plus zwei Kurze jedesmal, wenn das “Restored Cut Scene”-Logo eingeblendet wird oder die Tonspur unmotiviert ins Englische wechselt. Prost! 🙂

Kommissar Lehmann

Autor: Kommissar Lehmann

Wenn ihr euch bewegt, sehe ich das!

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