JESS FRANCOS PERVERSION (OT: FLORES DE PERVERSION), Spanien 2003

Regie: Jess Franco

Darsteller: Fata Morgana King, Carmen Montes, Eva Neumann, Exequiel Caldas, Rachel Sheppard, Martin Gardfield, Lina Romay

Laufzeit: 93 Minuten

Nachdem wir vor nicht allzu langer Zeit JESS FRANCOS PASSION besprochen haben, wollen wir uns nun dem nahezu zeitgleich gedrehten Gegenstück, JESS FRANCOS PERVERSION, widmen.

Der vorliegende Film basiert (sehr lose) auf den Werken des Marquis de Sade. Dieser war, wie wir alle wissen, ein großer Philosoph und sagenhafter Schweinepriester, welcher der Nachwelt einige denkwürdige Texte hinterlassen hat, die den geneigten Leser auch heute noch mit den Ohren schlackern lassen.

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Franco hat sich in seiner langen, langen Laufbahn schon des öfteren von den Werken des ‚göttlichen Marquis’ fasziniert gezeigt und in seinen Filme so manches Mal auf dessen Motive zurückgegriffen.
Doch bleiben wir zunächst bei JESS FRANCOS PASSION.

„Von allen sexuellen Verirrungen der Natur, gibt es ein Phänomen, dass in den Augen der Pseudo-Philosophen, die alles analysieren, ohne je etwas zu verstehen, am seltsamsten erscheint, es ist das kuriose Phänomen, dass Frauen eines bestimmten Charakters oder eines bestimmten Temperaments sich nach Personen des gleichen Geschlechts sehnen.“
So belehrt uns eine Off-Sprecherin während des Vorspanns und ihr folgender Monolog könnte tatsächlich direkt aus den Werken des Marquis stammen.

Aber kommen wir zur Story dieses epochalen Films:

Madame Villeblanche (gespielt von Lina Romay), die ebenfalls dem eigenen Geschlecht zugetan ist, betreibt ein Bordell der besonderen Art. Dort bezahlt die männliche Kundschaft ihren Besuch nämlich auch gerne schon mal mit dem Leben, da die Chefin sadistischen Praktiken nicht ganz abgeneigt ist.

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In der ersten halben Stunde des Films lauschen wir weiteren Off-Dialogen, während wir zunächst einem Mädel beim Tanzen und Strippen zusehen dürfen. Dann bestaunen wir Madame Villeblanche beim Telefonieren und beim ausgelassenen Matratzen-Mambo mit einer Gespielin.

Damit ist die erste halbe Stunde des Films (!) geschafft und zwei neue Damen heuern an: Marga und Lola, zwei dralle Landeier, die sich auch gleich nackig machen.
„Warum seid ihr beide rasiert?“, fragt die Chefin beim Vorstellungsgespräch.
„Na, wegen der Filzläuse. Im Dorf gibt es viele davon“, antworten die Mädels neckisch. Na, aber hallo!

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Soweit das Vorstellungsgespräch. Der halbe Film ist vorbei und nun müssen die beiden Damen zeigen, was sie können. Sie sollen sich nämlich den jungen Antonio vorknöpfen, der versucht hat, eines von Madame Villeblanches Lieblingsmädchen zu verführen. Der Gute kriegt nun ordentlich einen mit der Peitsche übergebrezelt.

Nachfolgend dürfen wir dann eine geschätzte weitere halbe Stunde lang der Intimrasur der Dame beiwohnen, mit der Antonio durchbrennen wollte. Aber anschließend wird auch diese hart abgestraft. Madame Villeblanche wuchtet ihr nämlich einen Enterhaken an eine anatomisch äußerst schmerzhafte Stelle. Naturgemäß ist danach nicht mehr allzu viel mit ihr los.

Dafür wird dann etwas unmotiviert wieder ein männliches Opfer gefoltert, dem man als geschmackigen Höhepunkt unter wildem Gejohle den Amüsierstengel abschneidet.

Eine weitere Tanzeinlage folgt, dann ist dieser äußerst merkwürdige Streifen völlig abrupt zu Ende.

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Tjaha, da hat der Meister des Flutsch-Films wieder mal richtig hingelangt.

JESS FRANCOS PERVERSION ist ähnlich minimalistisch angelegt, wie JESS FRANCOS PASSION. Wenig Darsteller und ein Nichts an Handlung finden wir auch hier, diesmal jedoch angereichert mit ein paar SM-Elementen und ein paar Spritzern Kunstblut.

Auch hier ist der Spaß ziemlich surreal und traumartig angelegt, bietet aber immer noch den typischen Franco-Look.
Die übliche Warnung muss hier ebenfalls ausgesprochen werden: Hardcore-Fans dürften das Geschehen zu zahm finden und wer einen herkömmlichen Spielfilm erwartet, wird nach einer geschätzten Viertelstunde entnervt die Flucht ergreifen.

Mein Fazit: JESS FRANCOS PERVERSION bietet ein zwiespältiges Vergnügen und sollte nicht unter vier Flaschen Raki genossen werden. Eine fünfte Reservebuddel sollte jedoch vorhanden sein, diese kann man sich im Notfall bei Bedarf immer noch über die Rübe hauen.

Kommissar Lehmann

Autor: Kommissar Lehmann

Wenn ihr euch bewegt, sehe ich das!

2 Gedanken zu „JESS FRANCOS PERVERSION (OT: FLORES DE PERVERSION), Spanien 2003“

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